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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 58

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 58 (sequence 62)
Language
German
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58 ist zu einem guten Teil die geradlinige Fortsetzung des vorweißenbergischen Antisemitismus und bedient sich ähnlicher Argumente und Methoden, wie sie im XVI. Jahrhundert aufgekommen und erprobt worden waren. Als Beweis dafür dient unter anderem, daß wir gleich zu Beginn des Gegenreformationszeitalters dem Versuche begegnen, durch Belehrung die Prager Juden für das Christentum zu gewinnen. Mit Reskript vom 10. Juni 1630 wurden, anknüpfend an die Anordnung Ferdinands I. v. J. 1561, die den Juden den allwöchentlichen Besuch der bei St. Salvator18) stattfindenden Jesuitenpredigten zur Pflicht machte, zu katechetischen Zwecken besondere Predigten für die Prager Juden eingeführt.14) Die Statthalter beantragten15) im Einvernehmen mit dem Prager Erzbischof Kardinal Ernst Grafen Harrach, daß diese Predigten in der damals fast verlassenen Filialkirche Maria an der Lausche gehalten werden sollten, und zwar in tschechischer, hebräischer und deutscher Sprache. Laut Antrag des Kardinals sollten diese Predigten an Sonn- und christlichen Feiertagen stets zwischen 8 und 9 Uhr früh gesprochen werden; teilnehmen sollten mindestens 100 Juden (davon mindestens 20 jugendliche Personen), zur Hälfte männlichen, oezw. weiblichen Geschlechts; die Prediger sollten die Jesuiten stellen; — so würde etwa im Laufe eines Halbjahres das ganze Ghetto die Predigten gehört haben. Die Aufsicht darüber, ob die Juden tatsächlich in der vorgeschriebenen Zahl zur Predigt erscheinen, ob sie sich ruhig verhalten oder nicht etwa schlafen, sollte der Altstädter Richter führen; um den Widerstand der Juden gegen diese Predigten von vornherein unmöglich zu machen, beantragte der Kardinal für die Ungehorsamen empfindliche Bußen,16) aus deren Ertrage in der Zukunft eine besondere geräumigere Kirche für Zwecke der Judenpredigten errichtet werden sollte. Diese Anträge fanden nur zum Teil die kaiserliche Genehmigung. Mit Reskript dd. Regensburg am 18. August 1630 wurde entschieden, daß die Judenpredigten zwar bei Maria an der Lausche stattfinden sollen, aber bloß in deutscher Sprache,17) weil angeblich auch die Prager Juden größtenteils diese Sprache beherrschten.18) Außerdem wurde angeordnet, daß die Predigten am Samstag stattfinden sollen, und zwar bei Anwesenheit von mindestens 200 Personen beiderlei Geschlechts (worunter mindestens 50 junge Juden zwischen 15 und 20 Jahren sein sollten). Für diejenigen, welche sich der Predigt entziehen würden, war eine Buße von einem Taler ausgesetzt, die bei wiederholter Nachlässigkeit gesteigert werden sollte; die Einhebung der Bußen sollten die Judenältesten besorgen und ihr Ertrag sollte unter jene Juden verteilt werden, die vom Judentum zum Christentum übertreten würden.19) Genehmigt wurde die Bestellung des Predigers aus dem Jesuitenorden;

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