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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 56

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 56 (sequence 60)
Language
German
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56 gefährliche Bedrohung des christlichen Besitzstandes der Altstadt in sich und waren ein schwerer Schlag für die christlichen Geschäftsleute. Auch der christlichen Industrieunternehmung, der es während des erschöpfenden und langen Krieges ohnedies sowohl an Absatzgebieten als auch am nötigen Kapitale gebrach und die außerdem infolge ihrer zünftigen Reglementierung nicht elastisch genug war, um mit Erfolg der freien jüdischen Unternehmung entgegentreten zu können, war damit eine schwere Wunde geschlagen. Es kann daher kaum wundernehmen, daß sich gegen die neuartigen Judenfreiheiten und gegen die auf Konto der Christen erfolgte bedeutende Erweiterung der Judenstadt entschiedener Protest erhob, namentlich vonseiten der Altstädter Gemeinde, die durch den jüdischen Aufschwung am fühlbarsten in Mitleidenschaft gezogen war. Dieser Widerwille erfuhr noch eine Steigerung, als sich die Prager Juden, namentlich aber Jakob Bassevi, an jenem unlauteren Münzunternehmen beteiligten, das die böhmische Münze völlig entwertete und in den Augen der christlichen Öffentlichkeit die gesamte jüdische Gemeinde bedeutend kompromittierte. Von dem Auftreten der Altstadt gegen die Expansion der Judenstadt datiert die Verschärfung des alten, vorweißenbergischen Gegensatzes zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung Prags, und lediglich die stürmischen und gefahrvollen Ereignisse des 30jährigen Krieges waren die Ursache, daß es bis zum Westfälischen Friedensschlüsse zu keinem ernsteren Einschreiten gegen die Juden gekommen ist. Keine geringfügige Bedeutung ist dabei zweifellos dem Umstände beizumessen, daß in Anbetracht der wirtschaftlichen Macht und somit auch der Steuerkraft der Prager Judenschaft die Wiener Regierung trotz aller Beschwerden es nicht wagte, energisch gegen die Juden aufzutreten, welche ebenso wie unmittelbar nach der Weißenbergschlacht so auch später nicht bloß durch ihre regelmäßige Berna, sondern auch durch bedeutende Darlehen und außerordentliche Gaben den ewigleeren Staatssäckel immer wieder auffüllen halfen. Ein Vorbote kommender Angriffe auf den Prager Besitzstand der Juden war das Privileg11) Kaiser Ferdinands IT., das am 8. April 1627 der Altstädter Gemeinde erteilt wurde und das mit einer charakteristischen Wendung eine Mitschuld der Regierung an der Ausbreitung des Realitätenbesitzstandes des Prager Ghettos ablehnte und der Altstadt die Garantie gab, daß die Juden unter schwerer Strafe die „naeh Unserm glücklichen Siege" erworbenen Häuser nur an einen Christen „verkaufen, abtreten, geben oder verschreiben" dürfen. Das bedeutete, daß in Hinkunft jedweder Wechsel des Eigentumsrechtes in den Liechtensteinhäusern bedingungslos dieses Eigentumsrecht in christliche Hände zurückführen sollte. Für die unmittelbare Zukunft hatte freilich dieses

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