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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 55

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 55 (sequence 59)
Language
German
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55 Den Triumph der im Siege der nachweißenbergischen Gegenreformation begründeten jüdischen Erfolge bedeutet das große Privileg, das der Judengemeinde im Königreich Böhmen von Ferdinand IL am 23. Jänner 1623 verliehen wurde. Dieses Privilegium bestätigte nicht bloß alle älteren Gnadenerweise böhmischer Könige, mit dem Privileg König Wladislaws IL angefangen, sondern kraft dieses Privilegs gewannen die Juden neue wichtige Vorrechte.9) Nutznießer war vor allem das Prager Ghetto, auf dessen Gesuch und dank dessen Verdienste in erster Linie dieses Privileg erflossen war. In rechtlicher und gesellschaftlicher Hinsicht schuf das Privileg vom 23. Jänner 1623 eine bemerkenswerte Besserstellung der Judenschaft, denn namentlich in der Gerichtsordnung fiel der frühere, für die Juden so schmachvolle Unterschied zwischen Christ und Jude. Daneben wurde ferner nicht allein der Kreis jüdischer Nahrungszweige erweitert und der jüdische Handel erleichtert, sondern os wurden auch die jüdischen Leihgeschäfte auf eine sichere Grundlage gestellt, weil angeblich „die Juden unschuldigerweise durch menschliche Vorteilhaftigkeit nicht selten zu Schaden kämen." Schließlich enthielt das Privilegium ausdrücklich die feierliche Garantie, welche später bei den Extirpations- und Reduktionsbestrebungen den Juristen keine geringen Schwierigkeiten verursachte, nämlich, daß die Juden „niemals aus dem Land und der Krone Böhmens gedrängt" werden sollten. Das Privilegium Ferdinands IL war das letzte Privileg, das den Juden im Königreich Böhmen (und auch den Prager Juden) in tschechischer Sprache erteilt wurde. Die Zeit nach der Schlacht auf dem Weißen Berge brachte auch eine Änderung im sprachlichen Verkehr des Ghettos mit den christlichen Ämtern mit sich.- hatte bisher das Tschechische vorgeherrscht, so wurde es jetzt allmählich von der deutschen Sprache verdrängt. Kein Wunder, daß die Prager Judengemeinde zum Zeichen ihrer Dankbarkeit ob all dieser Schutz- und Gunstbeweise, die Ferdinand II. den Prager Juden erwiesen hatte, den Jahrestag des Weißenbergsieges unter die jüdischen Feiertage einreihte,10) ungeachtet dessen, daß alle diese Vorteile um den Preis schwerer finanzieller Opfer erkauft waren. Erst die Drangsale, welche der Plan Maria Theresias, die Juden aus den böhmischen Ländern zu entfernen, über die Prager Judenschaft brachte, tilgten vermutlich dieses beredte Zeugnis jüdischen Dankes ob der Rückkehr der Habsburgerherrschaft: in der theresianischen Zeit schwindet dieser Prager Purim. Der Brief Karls von Liechtenstein und das große Privileg Ferdinands II. bedeuteten freilich nicht bloß den Gipfelpunkt der jüdischen Erfolge in nachweißenbergischer Zeit, sondern sie schlössen auch eine

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