Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 49)
- Language
- German
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45 daß er ihn am selben Orte aus den Leuten durch Betrügereien herausschinden wird; man müßte ihn kummern (ins Schuldgefängnis werfen), und er wird keinen Heller aus seiner Tasche zahlen, sondern seine unterschiedlichen Zahlungen und Schulden werden in seinem Einnahmenkonto erscheinen..Vom Standpunkte einer Landstadt beschweren sich ein Jahr später in geschraubtem Tschechisch die Rakonitzer,3) daß die Juden „sowohl Butter, Fische, unterschiedlichen Käse und sonst alle Sorten Getreide, ohne sie bis auf den Markt zu lassen, unterwegs, auch alles mögliche Leder den Handwerkern zur Schädigung ihrer Nahrung, ähnlich auch verhohlen von Inleuten Hopfen, ohne davon irgendwelchen Zoll an die Gemeinde zu entrichten, wie nicht weniger junge Hühner, Gänse, Enten und in summa alles, auch fremde und gestohlene Sachen massenhaft übernehmen, auskaufen und an sich bringen, sodaß mancher der Herren Nachbaren, wenn er für den Hausbedarf auf dem Markte etwas einkaufen will, nichts vorfindet und trübselig das Nachsehen haben muß. Aus diesem Grunde muß denn auch die vordem vortreffliche Stadtpolizei*) durch ihre verstohlenen Sonn- und Feiertagsgeschäfte und Betrügereien auf den Hund gebracht werden, was in der Tat, daß solche von der christ-katholischen Kirche verworfene Leute vielmals über den Christen hinausgehende Erwerbs-, Geschäfts- und Handelsunternehmungen zur größten Verkürzung aller Herren Nachbaren tätigen sollen, fürderhin zu dulden schmerzlich und betrübend ist; überdies achten besagte Juden der Herren Nachbaren gar wenig, erweisen ihnen keinen Respekt, sondern wollen sich den ehrsamen Bürgern durchaus gleichen, sodaß, wie schon offenkundige und erwiesene Tatsachen und Beispiele vorgekommen sind, dadurch denn die allergrößte Unbotmäßigkeit und Schande der ganzen Stadt zur Verwunderung der auswärtigen Leute höchst nachteilig erwächst, eine Sache, die unmöglich länger angesehen oder geduldet werden darf." Diese Beschwerden der Christen wider die jüdische Konkurrenz sind ein nicht unwichtiger Beweis für die wirtschaftliche Stärke der Juden in den böhmischen Ländern, an erster Stelle aber der Prager Juden. Es geht aus diesen Klagen ferner hervor, daß die Juden von den christlichen Handels- und Handwerksleuten als ein sehr ernstes Hindernis für die christliche Unternehmung auf wirtschaftlichem Gebiete angesehen wurden. Wie anderswo, so führte auch in Böhmen und namentlich in Prag in der nachweißenbergischen Zeit der Widerstand gegen die jüdische Konkurrenz zum Programm, diese Konkurrenz durch Erschwerung des jüdischen Handelsbetriebes und durch Herabsetzung *) chvalitebnä politiae mestskä, im Sinne von jiokvtüy., Stadtwesen (Dr. B.).