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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 37

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 37 (sequence 42)
Language
German
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37 ausgeführt wurden, aufgesetzt. Einige hievon gingen bis aufs hohe A hinauf und dennoch hätte er sie äußert nett und rein herausgebracht. Daß die jüdische Musik grundverschieden von jener der Christen war, ist sehr wahrscheinlich, wenn man sich etwa die deutschen Karikaturen auf jüdische Musikanten, die sich hie und da erhalten haben, ansieht. Ich denke da an einen Juden tanz aus Hans Neusiedlers Lautenbuch aus dem Jahre 1544. „Er muß gar sehr behend geschlagen werden sonst laut er nit wohl" lautet die Vorschrift zu dieser Beckmesseriade, die von Ganztonschritten, übermäßigen Intervallen und unerlaubten Tonschritten nur wimmelt. Ist dieses Stück doch nur als Karikatur aufzufassen, kann es uns immerhin sehr viel über das Wesen der Musik der alten jüdischen Spielleute sagen. Berl hat in seinem Buch: „Das Judentum in der Musik" den Unterschied zwischen östlicher und westlicher Musik in der Gegenüberstellung von linearer und harmonischer, — noch weiter gefaßt — von zeitlicher und räumlicher Kunst formuliert. Der Jude als eminent zeitlich eingestellter Mensch ist Melodiker und nur Melodiker, wie das Beispiel der jüdischen Musiker Meyerbeer, Mendelssohn, Bizet (?), Offenbach, Goldmark, Mahler, oder wenigstens des Antiharmonikers Schönberg zeigt. Wenn nun auch Berls These nicht völlig zutrifft (es ist zweifellos, daß, Schönbergs Atonalität von der Harmonik und nicht von der Melodik herkommt) so ist doch mit dieser Hervorhebung des Linearen in der jüdischen Musik vielleicht ein wertvoller Hinweis gegeben. Gewiß ist es, daß die Musik als jenes Geistesgebiet, das am tiefsten im „Unbewußten" lagert, am raschesten sozusagen den Kontakt mit der Welt der Urahnen herstellt. So wie der völlig assimilierte Jude noch nach Generationen irgendwie in Sprache, Gebärde, Blick oder Denkart seine Herkunft nicht verleugnen kann, so erkennt der feine Beobachter blitzartig das Jüdische auch in der Musik des „deutschesten" Komponisten Mendelssohn, oder des „französischesten" Komponisten Offenbach, oder irgend eines „Wienerischesten" Operettenkomponisten. WTas ist es nun? Es mag sein, daß es das Melodische ist, das uns, die wir noch immer in der Harmonik des 18. und 19. Jahrhunderts leben, irgendwie trivial kitschig erscheint. Und so wie heute von einer Gruppe — Mendelssohn, Meyerbeer, Offenbach und Mahler heftig abgelehnt, von einer andern in den Himmel gehoben werden, so wird es wohl auch mit den alten jüdischen Musikanten im 17. Jahrhundert gewesen sein. Nur mag das Jüdische, das „Lineare" noch viel stärker zum Ausdruck gekommen sein, weil die Assimilation immerhin um drei schwerwiegende Jahrhunderte jünger war. Und nun zur weiteren Klärung des „Linearen" eine Erwägung, zu der ich durch den Aufsatz: „Über vergleichende

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