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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 36

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 36 (sequence 41)
Language
German
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IRI
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36 in der Instrumentalmusik ist er einer d er Fortschrittlichsten seiner Zeit, da er einer der Ersten ist, die den neuen monodischen Stil auf die Instrumentalmusik tibertragen. Man wird daher das Jüdische in seiner Kunst nicht so leicht auf eine Formel bringen können. Auch an der dramatischen Gattung hat Rossi scheinbar wenig Gefallen gefunden und sich nur an der Komposition eines geistlichen Dramas, der „Maddalena" beteiligt, welche, wie der Titel sagt, von den ausgezeichnetesten Musikern ihrer Zeit, unter denen sich auch Monteverdi befand, verfaßt wurde. Mochte Rossi aus religiösen Gründen oder wegen seiner Abneigung gegen den dramatischen Stil nur ungern an dem Werke mitgearbeitet haben, er beteiligte sich nur mit einer kleinen Komposition, einem dreistimmigen Ballett, das gesungen und von drei Violen gespielt wird, einem fast primitiven Stückchen im Mascheratenstil. Es ist nun hochinteressant zu sehen, wie die Juden auch sonst im 16. und 17. Jahrhundert in der Musik der christlichen Umwelt eine gewisse Rolle zu spielen begannen. So fand ich vor kurzem in den Wiener Obersthofmeisteramtsakten das Gesuch eines jüdischen Musikers aus Frankfurt, Samuel Creton, aus der Zeit um 1660, der beim Kaiser Leopold I. unter Hinweis auf die Unbillen, die ihm von seinen jüdischen Verwandten wegen seiner Taufe zugefügt worden wären, um eine spezielle Recompense ersucht und Kapellmeister B e r t a 1 i befürwortet das Gesuch äußerst warm. Doch verschwindet sein Name bald aus den Akten. In Prag hat ja die Judenkapelle im 16. und 17. Jahrhundert eine besondere Rolle gespielt und ich darf diesbezüglich auf die Aktenveröffentlichungen in meinen Schriften „Alte jüdische Spielleute und Musiker" und „Musikbarock in Böhmen und Mähren" hinweisen. Zwischen den Juden- und Christenmusikern entbrennt bald ein heftiger Konkurrenzkampf. Immerhin weisen die christlichen Musiker darauf hin, daß die Juden ihnen ihr Brot wegnehmen, da sie von den Christen mit Vorliebe zu allen Festen und Tänzen berufen werden. Aber auch sachliche Argumente werden gegen die künstlerische Betätigung der Juden ins Treffen geführt. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie niont ..Tempo noch Takt halten, die Musik confuse verstupfen und der edlen Musica mit Spott ihre Ästimation nehmen." WTie ist es nun zu deuten, daß diese Prager Musiker, die angeblich so elend spielten, sich doch einer solchen Beliebtheit erfreuten? Noch im 18. Jahrhundert erfreuen sich jüdische Musiker in Böhmen besonderer Beliebtheit. So wird von Loebel, einem blinden Juden, berichtet, der um das Jahr 1725 mit einer Musikantenbande in Böhmen zum Tanz spielte. Durch Georg Benda erfährt man, Loebel habe einen guten Ton aus seiner Violine herausgezogen, sich selbst seine Stücke, welche zwar wild, doch aber sehr gut

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