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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 35

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 35 (sequence 40)
Language
German
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a& weisen läßt. Seine Schwester, Madama Europa, war eine gefeierte Sängerin und wirkte bei der Uraufführung der berühmten Monteverdischen Oper „Ariana" mit und war gleichzeitig in Mantua mit der weltberühmten „BeHa Adriana", der Schwester des neapolitanischen Dichters Basile, welcher übrigens jene große Zeit am Mantuaner Hof, da Männer wie Monteverdi und Rossi wirkten, mitmachte, nachdem er sich vorher auf Kreta in eine schöne Jüdin unsterblich verliebt hatte. Der Sohn der Europa, Anselmo Bossi, war gleichfalls Musiker und ist mit einer Motette in einem 1618 erschienenen Sammelwerke von Mantuaner Motettenkompositionen vertreten. In Mantua gab es 1575 eine Schauspielertruppe, die der Jude Leone de Sommi begründet hatte. Ähnlich wie Salomone Rossi war auch ihm gestattet, sich ohne das diffamierende Judenabzeichen bei Hofe und in der Stadt zu bewegen. Desgleichen wird in einem Mantuanischen Akte der Hebräer Simone Basile a erwähnt, der mit seiner Stimme allein Komödien von vielen Personen darzustellen verstand. Salomone Rossi blieb im Gegensatz zu anderen jüdischen Musikern seinem Glauben treu und verfaßte eine Reihe Kompositionen für die jüdische Synagoge, die 1620 gesammelt und herausgegeben wurden. Hiermit wurde der Grundstein zu einem geregelten Synagogalgesang in Italien überhaupt gelegt. Dieses Standwerk des jüdischen Tempelgesanges, das 1620 bei Bragadini in Venedig gedruckt wurde und heute zu den allergrößten Seltenheiten gehört, wurde von dem Pariser Oberkantor Naumbourg gemeinsam mit Vincent d' Indy neu herausgegeben« Das Werk ist von dem berühmten jüdischen Gelehrten und Dichter Jehuda de Modena eingeleitet, dessen Sohn, wie es in der Vorrede heißt, ein Jüngling von 21 Jahren, mit einem großen Musiktalent begabt, von den eigenen Glaubensgenossen ermordet wurde," Übrigens hatte auch Arjeh da Modena in seiner Jugend Gesang und Instrumentalspiel gelernt, wie er in seiner Selbstbiographie berichtet. Die Synagogenkoinpositionen Rossis, im Palestrinastü komponiert, sind von erlesenem klanglichen Wohllaut, ebenso wie Bossis zahlreiche Madrigale auf italienische Texte. Bossi gehört wie Sulzer, Lewandowski und Andere in die Reihe Jener, welche die zeitgenössische Musik ihrer Umgebung, künstlich dem jüdischen Situs aufpfropfen wollten. Freilich hat dies Rossi in seiner Art genial getan und seinem großen Werke ist bleibender Ruhm gesichert. Jedenfalls ist es bemerkenswert, daß Rossi, im Gegensatz zu anderen jüdischen Komponisten späterer Zeit keineswegs musikalischer Neuerer oder gar Revolutionär war. An den Bestrebungen der florentanischen Novatoren, wie Peri, Caeciui, Gagliano, hat er keinen Anteil, trotzdem er gleichzeitig mit dem Feuerkopf der Renaissance, Monteverdi, am Mantuaner Hofe wirkte. Nur

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