Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Prag ansässig waren,85) und ansässig geblieben sind durch ein halbes Jahrtausend. Es hat sich also gezeigt, daß der Bericht Salomo's in der Hauptsache zuverlässig ist: Juden haben gegen Kreuzfahrer gekämpft und gesiegt, mit Hilfe von Christen und mit Unterstützung des Landesfürsten. Es waren die Juden von Prag, mit anderen Worten: „S che P* i s t P r a g. Das Ergebnis, daß in der Erzählung von den Juden in „Schel" die Juden von Prag gemeint sind, ist auch für die Beurteilung der Chronik von Cosmas, der Hauptquelle der älteren Geschichte Böhmens, von Wert. Cosmas berichtet, wie oben (S. 2) mitgeteilt ist, daß die Juden von Prag von den Kreuzfahrern zur Taufe gezwungen oder erschlagen worden sind, aber er erwähnt kein Wort von einem Kampfe zwischen Juden und Kreuzfahrern, kein Wort, daß Herzog Bretislav den Juden eine Schar Reiter zu Hilfe geschickt, und daß die Kreuzfahrer eine Niederlage erlitten hätten. Hat Cosmas von alledem nichts gewußt? Das ist ausgeschlossen, der Kampf hat in Prag stattgefunden, man könnte sagen, vor seinen Augen. Und nun wird man einwenden: wenn das alles sich so verhalten hätte, wenn wirklich Juden und Kreuzfahrer mit einander gekämpft, und gar wenn der böhmische Herzog die Juden unterstützt hätte, müßte doch in der Chronik von Cosmas etwas darüber zu finden sein. Aber hier steht kein Wort, das ist das stärkste Argument gegen die Lösung „Schel" Prag. Der Schluß wäre zutreffend, wenn dieser Geschichtschreiber uns immer die ganze Wahrheit sagen würde. Aber das ist nicht der Fall. Er erzählt uns so treuherzig seine Geschichten, und dabei war er ein Meister in der Kunst des Verschweigens. Was ihm nicht paßte, was ihm bedenklich erschien, wird nicht eines Wortes gewürdigt. Die Juden waren ihm höchlich zuwider, als ein verstocktes Volk, das ungeheure Schätze anhäuft, das christliche Sklaven sich hält. Solche Dinge erzählt uns Cosmas von den Juden. Aber daß sie mit den gottbegeisterten Kreuzfahrern gekämpft, und von Herzog Bretislav unterstützt gesiegt hätten, das zu schreiben brachte er nicht über sich. Über Menschen und Ereignisse der Gegenwart zu schweigen, ist nützlicher, als durch Reden sich Haß zuzuziehen, war sein Grundsatz.86) Was sollte er auch über Herzog Bretislav, der für die Juden und gegen die Kreuzfahrer aufgetreten war, schreiben? Ihn loben? Das konnte er nicht. Ihn tadeln? Das wagte er nicht. Und in diesem Widerstreit hielt er es für das beste zu schweigen. Aber auch im Berichte Salomo's wird nicht alles erzählt, was sich 1096 in Prag ereignet hatte. Es fehlen wichtige Tatsachen, gerade die-