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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 22

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 22 (sequence 27)
Language
German
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22 jenigen, die wir aus Cosmas erfahren: daß die Kreuzfahrer die Juden zur Taufe gezwungen oder sie erschlagen hätten. Haben wir bei Salomo dasselbe anzunehmen, wie bei Cosmas? Hat er von der Zwangstaufe gewußt und sie doch verschwiegen? Salomo hielt die Taufe für ein Unglück, das die Juden wegen ihrer Sünden getroffen.87) Aber er verurteilte die Getauften nicht, er hebt hervor, daß sie unter Lebensgefahr im geheimen die Vorschriften des Judentums befolgten, und daß daher niemand ihnen übles nachreden dürfe.89) Er hat in seirem Berichte nicht verschwiegen, daß einzelne Juden in Mainz, in Altenahr, in Metz, und daß die ganze Gemeinde in Regensburg80) sich der Zwangataufe unterworfen haben, da können wir doch annehmen, er hätte auch die Taufe der Juden in Prag erwähnt, wenn er davon gewußt hätte. Es ist bereits bemerkt worden (S. 8, 10), daß Salomo seinen Bericht im Jahre 1140 in Mainz geschrieben, und aus Regensburg und Prag rieh Informationen über die Vorfälle beim ersten Kreuzzug (1096; verschafft hat. In beiden Städten hatte es damals Zwangstaufen gegeben, aber der Bericht Salomos weiß nur von der Taufe in Regensburg. Das wird damit zu erklären sein, daß die Informationen aus den beiden Städten verschieden gelautet haben. Die Juden von Regensburg wußten noch im Jahre 1140, daß ihre Gemeinde beim ersten Kreuzzug sich der Taufe hatte unterziehen müssen. Die Juden von Prag wußten es nicht mehr. Vielleicht deshalb, weil ihre Vorfahren damals (1096) sehr rasch zu ihrer Religion zurückkehren konnten, weder die weltliche noch die geistliche Autorität in Böhmen, weder Herzog Bfetislav noch Bischof Cosmas von Prag haben sie daran gehindert. Die dritte Quelle, die Volkstradition die in der cechischen Reiivichronik wiedergegeben ist, zeigt uns den Übergang von Geschichte zur Sage. Daß einst deutsche Kreuzfahrer nach Böhmen gekommen w.uren und die Juden angegriffen hatten, daß diese mit Unterstützung des Landesfürsten sich gewehrt und die Kreuzfahrer geschlagen hatten, war dem Volke im Gedächtnis geblieben. Aber in den zweihundert Jah-en vom ersten Kreuzzuge bis zur Zeit als der Reimchronist soin Kapitel von den Kreuzfahrern und Juden schrieb,90) hatte man vergessen, was die Kreuzfahrer von den Juden eigentlich gewollt hatten. Nach Ansicht des Volkes nichts anderes als: Geld, viel Geld. Die Reichtümer der Juden haben immer die Phantasie des Volkes beschäftigt. Und weil Fremde — Deutsche — sich dieser Reichtümer bemächtigen wollten, habe de» König den Juden gestattet, sieh zu waffneti und Kriegsvolk aufzunehmen. Er habe ihnen im geheimen Straflosigkeit zugesichert, wenn sie die Kreuzfahrer (Christen!) totschlagen. Im geheimen, weil die Kreuzfahrer für schweres Geld vom Papste ein Privileg dch verschafft hätten, daß sie den Juden ihre Reichtümer wegnehmen dürfen.

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