Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 24)
- Language
- German
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19 Kreuzfahrer, der Fürst unterstützt die Juden, auf ihrer Seite kämpfen auch Christen, und die Kreuzfahrer werden geschlagen. Und nun beachte man, um welche Quellen es sich handelt. Die eine ist der Bericht Salomo's, geschrieben in Mainz, im Jahre 1140, in hebräischer Sprache; die andere ist die Reimchronik, geschrieben in Böhmen, um 1310, in öechischer Sprache, Salomo ist Jude, der Verfasser der Reimchronik Christ. Braucht man mehr, um zu zeigen, daß beide Quellen völlig selbständig, völlig von einander unabhängig sind? Wenn nun beide Autoren dasselbe Ereignis berichten, so stützt ein Bericht den anderen, an dem Ereignis selbst ist kein Zweifel mehr möglich. Und dann ergibt sich auch, daß die Erzählung der Reimchronik (cap. £6) nicht eine Erfindung sein kann. Sie ist nichts anderes, als die Wiedergabe einer Tradition, die sich in Böhmen, sei es mündlich sei es schriftlich,78) erhalten hatte: von einem Sieg, den die Juden mit Hilfe von Christen über Kreuzfahrer erfochten hatten. Diese Tradition sagt uns auch mit aller Deutlichkeit, wo der Kampf stattgefunden hat: in Böhmen; und wo die Stadt „Schel" zu suchen ist: es ist Prag. Nun läßt sich auch der Schluß unseres Berichtes erklären. „Die übrige Gemeinde" wird hier gesagt „rettete der Freund Israels (Gott) und brachte sie allesamt in ein Dorf gegenüber der Stadt „Schel" jenseits des Flusses. Dort blieben sie in Frieden und Ruhe, bis die Feinde des Ewigen fortgezogen waren." Ein Dorf gegenüber der Stadt jenseits des Flusses — da „Schel" Prag bedeutet, ist der Fluß die Moldau, und ein Dorf gegenüber der Stadt kann nichts anderes sein, als ein Dorf am Fuße des Hradschin, denn Prag bedeutet im 11. Jahrhundert nur die Altstadt. Am Fuße des Hradschin ist durch König Pfemysl Ottokar II. eine neue Stadt, die Kleinseite gegründet worden, aber das war erst im 13. Jahrhundert. Vorher gab es hier einzelne Dörfer oder Weiler, Travnik, Aujezd usw. In eines dieser Dörfer hatten also die Juden, die bisher im Visehrader Dorf79) gewohnt hatten, sich geflüchtet. Läßt sich ein solcher Aufenthalt der Juden in dem Gelände am Fuße des Hradschin nachweisen? Allerdings. In der böhmischen Chronik des Wenzel Hajek von Libocan wird erzählt, daß es im Jahre 995 (!) bei Prag zu einem Kampfe zwischen Christen und Heiden (!) gekommen sei. „Da versammelten die Christen alle ihre Macht, nahmen auch die Juden zu Hilfe, und überfielen die Heiden. — Und dieweil die Juden den Christen wider die Heiden einen so ritterlichen Beistand getan, wurde ihnen erlaubt, unter den Christen an dem Ufer des Wassers Mulda eine Schule zu bauen. Und derselbe Ort, wo die Schule gestanden, ist auch bis auf den heutigen Tag in der Kleineren Stadt Prag über der Brucken unter dem Kloster zu Unserer Lieben Frauen zu sehen."80^ Die Chronik Hajeks ist erst im 16. Jahrhundera verfaßt worden, sie