Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 23)
- Language
- German
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18 antworten. Es ist notwendig, den Wortlaut der betreffenden Stelle der Reimchronik kennen zu lernen. „Damals waren Kreuzfahrer nach Böhmen gekommen, sie hatten die Gewalt des Papstes über die Juden (erlangt), diese Gewalt hatten sie durch viel Silber erworben. Sie führten zahlreiches Kriegsvolk mit sich, in der Absicht von den Juden viel Geld zu nehmen, oder sie alle gefangen zu setzen. Der König begann diesen Krieg nicht zu beachten, indem er beiden sagte ,ich will mich nicht in diese Angelegenheit einmengen, ein jeder möge sich an sein Recht halten, und wer als Sieger hervorgeht, dessen Kopf möge heil bleiben.' Er gab den Juden ein Zeichen zum Widerstande, indem er sagte ,wenn ihr sie niederschlagen werdet, will ich euch das nicht als Schuld anrechnen/ Die Juden verschafften sich heimlich Rüstungen und Kriegsvolk, und als die Kreuzfahrer gegen sie losschlugen, besiegten die Juden die Kreuzfahrer, zweihundert Deutsche schlugen sie damals nieder."77) Versuchen wir festzustellen, was von dieser Erzählung auf geschichtliche Tatsachen zurückgehen könnte, so werden wir zuerst den Satz, daß die Kreuzfahrer vom Papst die „Gewalt" über die Juden erkauft hätten, von Anfang bis zu Ende streichen müssen: einen solchen Papst hat es nicht gegeben. Wir werden ebenso die angeblichen Reden des böhmischen Königs bei Seite lassen, sie haben nicht mehr Glaubwürdigkeit als andere Reden in der Reimchronik, z. B. die von Libusa und Pfemysl usw. Vergleichen wir jetzt die Erzählung der Reimchronik mit dem Berichte Salomo's, so ergibt sich folgendes: Reimchronik eap. 86. Bericht Salomos. 1. Deutsche Kreuzfahrer kamen 1. Kreuzfahrer kamen in die nach Böhmen und wollten die Ju- Stadt „Schel" und wollten die Juden plündern. den zur Taufe zwingen. 2. Der König erklärt, in den 2. Die Juden verlangten eine Streit zwischen Juden und Kreuz- Bedenkzeil von drei Tagen, um fahrern sich nicht einzumischen. ihren Fürsten zu benachrichtigen 3. Der König ermuntert im Ge- 3. Der Fürst von „Schel" heimen die Juden zum Widerschickte den Juden tausend Reiter Stande, diese bewaffnen sich und zu Hilfe. nehmen Kriegsvolk auf. 4. Überfall der Kreuzfahrer und 4. Kampf zwischen Juden und Stadtleute von „Schel" durch die Kreuzfahrern, die Juden siegen, Juden und die Reiter des Fürsten, zweihundert Deutsche werden er- Niederlage der Kreuzfahrer, Verschlagen, lust der Juden: sechs Mann. Wird jemand noch zweifeln, daß beide Erzählungen auf ein und dasselbe Ereignis sich beziehen? Auf einen Kampf von Juden gegen