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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 17

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 17 (sequence 22)
Language
German
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IRI
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17 Angriff auf die Kreuzfahrer gemacht haben! Sie sollen sich den Reitern, die der Fürst von „Schel" geschickt hatte, angeschlossen haben, und vereint mit ihnen „überfielen sie unverhofft die Stadt, und schlugen mit empfindlichen Schlägen die Irrenden (= Kreuzfahrer) wie die Stadtleute; von den Juden kamen nur sechs um." So erzählt Salomo. Ist das glaublich? Die Antwort ist schon im Berichte selbst gegeben: die Juden von „Schel" waren nicht die einzigen, die den Kampf mit den Kreuzfahrern aufgenommen hatten. Auch die Juden von Mainz hatten mit ihnen (den Scharen Emicho's) gekämpft. „Sie legten Panzer an und umgürteten sich mit Kriegswaffen, von Groß bis Klein, Rabbi Kalonymos bar Meschullam, der Vorsteher, stand an ihrer Spitze, aber in Folge der vielen Leiden und Kasteiungen hatten sie nicht die Kraft, den Feinden zu widerstehen."74) Dann schildert Salomo, wie die Juden von Mainz, Alt und Jung, Männer und Frauen, lieber das Leben opferten als ihre Religion. Es ist wahr, nicht alle haben so gehandelt. In Regensburg fügten sich die Juden der Zwangstaufe, um das Leben zu retten. Auch in Prag hatte ein Teil das Christentum angenommen. Aber doch nur ein Teil, die anderen wollten lieber den Tod erleiden, als ihrer Religion untreu werden.75) Man sieht, an Beispielen von Todesverachtung hat es bei den Juden jener Zeit nicht gefehlt, es ist daher ganz gut möglich, daß die Männer von „Schel" solchen Beispielen gefolgt sind, und die Erzählung vom Angriff der Juden auf die Kreuzfahrer braucht durchaus nicht ein „Märchen"76) zu sein. Allerdings, das alles ist noch kein Beweis, daß sie zutreffend ist. Es könnte eingewendet werden: wenn die Juden von Mainz gegen die Kreuzfahrer gekämpft haben, so müssen es deshalb noch nicht die Juden von „Schel" getan haben. Ja, noch mehr: wenn die Juden von Mainz durch Kasteiungen geschwächt im Kampfe mit den Kreuzfahrern unterlegen sind, sollen wir glauben, daß die Juden von „Schel" nach einem mehrtägigen Fasten über die Kreuzfahrer gesiegt haben? Solche Einwendungen werden völlig widerlegt, und der Bericht Salomos erfährt eine glänzende Bestätigung durch eine Geschichtquelle, die früher schon erwähnt worden ist: es ist die Sechische Reimchronik des sogenannten Dalimil, die im 86. Kapitel von einem Sieg der Juden in Böhmen über deutsche Kreuzfahrer berichtet. Es ist bereits (S. 3) gezeigt worden, daß diese Erzählung der Reimchronik sich nur auf den ersten Kreuzzug, nur auf das Jahr 1096 beziehen könnte, da nur in diesem Jahre deutsche Kreuzfahrer nach Böhmen gekommen sind. Aber die Hauptfrage, ob die Erzählung einen geschichtlichen Kern hat, oder ob sie gänzlich eine Erfindung des Reimchronisten ist, ist nicht beantwortet worden. Wir können sie jetzt be- 2

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