Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 21)
- Language
- German
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16 diese Frage zu entscheiden, überließ er dem Bischof.86) Sein Interesse an den Juden war anderer Art. Sie waren eine Quelle von Einkünften für ihn, und diese Quelle drohte jetzt zu versiegen, da die Kreuzfahrer und der Pöbel von Prag sich zusammengetan hatten, um die Juden zu plündern.67) Das erklärt die rasche Sendung von Reitern nach Prag, der Herzog wollte seine Juden nicht von anderen ausplündern lassen. Das behielt er sich selbst vor,68) und er wollte auch nicht, daß in seiner Stadt und in seinem Lande fremde, zusammengelaufene Scharen Ausschreitungen begingen. Als die böhmischen Reiter vor Prag eingetroffen waren, kamen zu ihnen „von den in der Stadt „Schel" wohnenden Juden fünfhundert bewaffnete und kriegsgeübte junge Männer, die sich vor keinem Feinde rückwärts kehrten." Das steht in unserem Berichte, aber wir werden hier eine Korrektur vorehmen, und statt „junge Männer" „Männer" setzen müssen. Denn nicht allein die „jungen Männer", sondern die ganze männliche Bevölkerung vom Knaben bis zum Greis, alles was Waffen tragen konnte, wird an dem Kampfe teilgenommen haben — ganz so wie in Mainz.69) Dann erweckt auch die Zahl 500 kein Bedenken.70) Eine noch stärkere Korrektur verlangt der Satz, daß die Juden von „Schel" kriegsgeübt gewesen seien „und vor keinem Feinde sich rückwärts kehrten." Es ist ohne weiters zuzugeben, daß sie Waffen besassen,71) und es ist ganz gut möglich, daß sie ab und zu von den Waffen Gebrauch gemacht haben, um Angriffe abzuwehren. Aber daß sie „kriegsgeübt" gewesen wären, im eigentlichen Sinne des Wortes, werden wir nicht glauben. Wie wären sie denn zu solcher Übung gekommen? Man darf doch nicht vergessen, daß die Juden in Deutschland damals fast durchwegs Kaufleute und Händler72) gewesen sind, keine Ritter und keine Landsknechte. Erwerb und Frömmigkeit waren ihre Beschäftigung und ihr Lebensinhalt. Das Studium von Thora und Talmud, die genaue Beobachtung der vielen religiösen Gebote und Verbote, die Feier des Sabbats und der Feste, das war ihre Stärke, nicht kriegerischer Sinn. Man sehe nur, wie die Juden von „Schel" die Frist von einigen Tagen, die ihnen die Kreuzfahrer zugestanden hatten, benützt haben: zu Fasten und Gebet. Wir werden also den ganzen Satz von den kriegsgeübten jungen Männern in „Schel" streichen müssen. Hat der Autor unseres Berichtes, Salomo, im Überschwang der Freude über den Sieg der Juden sich zu solchen Übertreibungen verleiten lassen? Oder waren es die Juden von „Schel", als sie in späterer Zeit, im Jahre 1140,73) in Dankbarkeit ihrer Retter gedachten? Die Frage ist nicht zu beantworten. Diese Juden von „Schel", die nicht kriegsgeübt waren, die durch Fasten und Gebet den Zorn Gottes abzuwenden suchten, sollen einen