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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 15

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 15 (sequence 20)
Language
German
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15 so zeigt sich, daß nur der Endbuchstabe (alef) beiden Worten gemeinsam ist. Was vorausgeht, ist da und dort verschieden. Hier war die Fehlerquelle. Aus JH£ (prg) der einen Handschrift ist (schl) der anderen geworden, auf einem Wege, den nur andere Handschriften unseres Berichtes, die heute fehlenden Zwischenglieder in der Überlieferung uns zeigen könnten. Vielleicht wird manchen eine solche Lösung gewaltsam erscheinen, aber gibt es eine andere, die in gleicher Weise allen sachlichen Anforderungen entspricht? Zu dem gleichen Ergebnis, Identität von „Schel" und Prag, kommt man auch auf einem anderen Wege: durch eine Untersuchung der einzelnen Angaben in der Erzählung Salomo's. Es ist schon früher (S. 9) darauf hingewiesen worden, daß „Schel" eine Stadt mit einer starken jüdischen Bevölkerung ist, und daß der Fürst von „Schel" zu den mächtigsten in Deutschland gehört. Das paßt auf Prag und den böhmischen Herzog mindestens ebenso gut als auf eine andere Stadt und einen anderen Fürsten.63) Seit zweihundert Jahren, wenn nicht noch länger, waren Juden in Prag ansässig, als die Kreuzfahrer nach Böhmen kamen. Juden aus dem Osten (dem byzantinischen Reiche) und dem Westen (Deutschland) hatten sich in Prag vereinigt, die Gemeinde war in den zweihundert Jahren angewachsen, und in dem reichen Lande waren die Juden selbst zu Wohlstand und Reichtum gelangt. Und was Böhmen bedeutete, hatte in den letzten Jahrzehnten der Pfemyslide Wratislav als Helfer und treuester Vasall des deutschen Kaisers Heinrich IV. aller Welt gezeigt. Sein Nachfolger, Herzog Bretislav II. hatte bald nach Beginn seiner Regierung im Jahre 1093 einen Krieg gegen den polnischen Herzog Wladislav geführt, um ihn zur Zahlung des rückständigen Tributs zu zwingen; das Unternehmen war gelungen, der polnische Herzog hatte sich gefügt, nachdem sein Land schwer geschädigt worden war. Im Jahre 1096, in dem Jahr des ersten Kreuzzuges hatte Bretislav neuerlich einen Zug gegen Polen unternommen, er stand, wie uns Cosmas erzählt, mit seinem Heere in Schlesien (an der Neisse), als die Kreuzfahrer in Prag eindrangen. Da paßt es ganz gut, daß die Juden von „Schel" von den Kreuzfahrern, die sie bedrängten, eine Frist von einigen Tagen verlangten, um ihrem Fürsten Nachricht zu geben.64) Und es paßte auch weiter sehr gut, daß dieser Fürst ihnen gleich eine größere Schar Reiter zu Hilfe schickte, Bretislav hatte ja sein Heer versammelt. Man könnte höchstens die Frage aufwerfen, weshalb er sich der Juden so angenommen hat. Er war ebenso fromm,68) ebenso der katholischen Kirche ergeben, wie seine Vorfahren, aber mit den Bedenken, die der Prager Bischof Cosmas gegen die Zwangstaufe der Juden hatte, befaßte er sich nicht;

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