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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 6

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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6 habe. Außer diesen mündlichen Informationen hatte er auch schriftliche sich verschafft. Er beginnt seinen Bericht mit einer Erzählung der Verfolgung in Speier und Worms,22) dann kommt als Hauptstück eine sehr ausführliche Schilderung aller Vorgänge in Mainz, Köln und einzelnen Orten am Nieder-Rhein, daran schließen sich kurze Mitteilungen über die Verfolgung in Trier und Metz, über die Zwangstaufe der Juden in Regensburg — eine Schrift voll Leidenschaft, in Worten des stärksten Abscheus vor den Mördern und ihrem Christentum, eine Verherrlichung der Glaubenstreue der Gefallenen und zugleich ein verzweifelter Schrei zu Gott, sein auserwähltes Volk nicht solche Qualen erdulden zu lassen.23) Von den Bildern des Grauens und Entsetzens in dieser Schilderung hebt sich ein einziges ab, ein einziges war für die jüdischen Leser tröstlich und erhebend: die kleine Erzählung die am Schlüsse der Reihe steht, von Juden die über die Kreuzfahrer gesiegt hatten. Die Erzählung, die für unsere weitere Untersuchung die Grundlage bildet, lautet:24) „Als die Irrenden (Kreuzfahrer) über die würdigen und heiligen Männer in der Stadt „Schel" kamen, sprachen sie: Jetzt merket auf unsere Rede und erkennet, was ihr tun sollt. Entweder bekehret euch zu unserem Glauben, oder ihr habt das Todesurteil zu ertragen, wie auch eure Brüder thaten, die im christlichen Lande wohnen.* Da erbaten sie sich von den Irrenden und ihren Stadtleuten drei Tage Bedenkzeit, und ließen durch einen Abgesandten ihren Fürsten von dieser Sache benachrichtigen. Jene drei Tage weihten sie zum Fasten, und flehten vor dem Angesichte des lebendigen Gottes unter Fasten, Weinen und Klagen, und ihr Gebet ward angenommen, der barmherzige Gott rettete sie. Der Fürst unterstützte sie während der dreitägigen Zeit, er schickte ihnen einen Anführer mit 1000 schwertumgürteten Reitern zu Hilfe, dabei waren auch von den in der Stadt „Schel" wohnenden Juden 500 bewaffnete und kriegsgeübte junge Männer, die sich vor keinem Feinde rückwärts kehrten. Diese überfielen unverhofft die Stadt, und schlugen mit empfindlichen Schlägen die Irrenden wie die Stadtleute. Von den Juden kamen nur sechs um. Die übrige Gemeinde rettete der Freund Israel's, und brachte sie allesammt in ein Dorf gegenüber der Stadt „Schel" jenseits des Flusses. Dort blieben sie in Frieden und Ruhe, bis die Feinde des Ewigen fortgezogen waren." Also Juden einer Stadt, die mit Hilfe von Christen die Kreuzfahrer überfallen und besiegt hatten! Was war das für eine Stadt, wo lag sie? Oben ist als Namen dieser Stadt die Form „Schel" gebraucht, aber sie ist nicht die einzige, die zulässig oder möglich ist. Im hebräischen Text steht das kann Schel, Sei, Schela, Sela usw. heißen.*6) Welche von diesen Formen der Schreiber der uns vorliegenden Hand-

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