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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 5

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 5 (sequence 10)
Language
German
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5 auf solche Abweichungen vom wirklichen Verlauf der Ereignisse kam es ihm gar nicht an. Wichtiger ist, daß er in seinem zügellosen Haße gegen die Deutschen auch offenbare Erfindungen als geschichtliche Tatsachen ausgegeben hat, und da wäre es ihm auch zuzutrauen, daß er das ganze Kapitel 86, die ganze Erzählung von der Niederlage der deutschen Kreuzfahrer durch die Juden ersonnen hat, um die Deutschen /loch mehr herabzusetzen. Aber es ist auch eine andere Lösung möglich. Es könnte eine Tradition oder Sage von einem solchen Siege der böhmischen Juden im Volke sich erhalten haben,18) oder die Erzählung könnte aus einer Chronik, die wir nicht mehr haben, stammen. Es ist festgestellt, daß cler Reimchronist Geschichtsbücher, die uns heute fehlen, benützt hat: Bunzlauer Chroniken oder solche des Klosters Opatowitz. Es wäre möglich, daß die Nachricht vom Siege der Juden in einer dieser Chroniken enthalten war,19) daß sie der Reimchronist von dort übernommen und mit Ausschmückungen, wie sie seiner Natur entsprachen, versehen hat. Dann wäre an dem geschichtlichen Kern dieser Nachricht nicht zu zweifeln — außer man würde annehmen, die Geistlichen in Bunzlau oder Opatowitz (nur Geistliche kommen in jener Zeit als Chronikenschreiber in Betracht) hätten Siege von Juden über deutsche Kreuzfahrer erfunden, weil sie eben solche g^häßige Deutschen-Feinde und nationale Fanatiker gewesen, wie der Reimchronist. Leider wissen wir über diese Chronikenschreiber von Bunzlau und Opatowitz nichts, und was noch mehr zu beklagen ist, die von ihnen verfaßten Geschichtsbücher sind verschollen. Es bleibt nichts anderes als die bloße Möglichkeit, daß im Volke eine Tradition von einem Siege der Juden fortgelebt, oder daß in einer seither verlorenen Chronik eine solche Erzählung gestanden habe. Dann wäre die Frage, was vom Kapitel 86 der Reimchronik zu halten sei, nicht zu beantworten; da ergibt sich eine überraschende Lösung, wenn wir eine Geschichtsquelle, die erst vor einigen Jahrzehnten bekannt geworden ist, heranziehen. Im Jahre 1892 sind von der historischen Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge veröffentlicht worden. Drei Berichte beziehen sich auf das Jahr 1096,20) auf die Verfolgungen beim ersten Kreuzzuge, und von den dreien ist einer, hier zum erstenmaie herausgegeben, eine höchst wertvolle Quelle: der Bericht des Salomo bar Simeon. Von dem Verfasser wissen wir nichts mehr als den Namen und daß er im Jahre 1140 in Mainz gelebt hat.21) Die Ereignisse von 1096 hat er nicht selbst gesehen, aber er beruft sich auf Augenzeugen und auf Aussagen von Alten, die er über einzelne Umstände gefragt

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