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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 4

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 4 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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4 Das alles haben wir auch bei dem Kapitel 86, bei der Erzählung vom siegreichen Kampf der Juden gegen die deutschen Kreuzfahrer zu beachten. Weshalb hat es der Reimchronist in sein Werk aufgenommen? Wollte er eine Heldentat der Juden verewigen? Gewiß nicht. Er war nicht nur Ceche mit Leib und Seele, er war auch ein frommer Christ und traute den Juden das ärgste zu. Das sieht man aus einem früheren Kapitel, in welchem er erzählt, daß die Juden in Prag unter Herzog Sobeslav I. erschlagen worden seien, zur Strafe, weil sie christliche Kinder ermordet hätten.15) Also nicht den Juden zuliebe hat der Reim Chronist ihren Sieg erzählt. Es ist ein anderer Grund: deutsche Kreuzfahrer waren es, die von den Juden besiegt wurden. Siege der Cechen über die Deutschen hatte der Autor schon früher erzählt, aber das erschien ihm nicht genug, er wollte den Deutschen nicht ersparen, daß sie auch von den Juden besiegt worden seien. In der Chronik von Cosmas hatte unser Autor eine Schilderung* der letzten Stunden des Bischofs Hermann von Prag (gestorben 1122) gefunden: daß der Bischof auf dem Sterbebette sich die bittersten Vorwürfe gemacht hatte, weil er gegen die getauften und bald wieder abgefallenen Juden nicht eingeschritten sei.16) Von der Taufe und dem Abfall der Juden hatte Cosmas in einem früheren Kapitel erzählt, nämlich zum Jahre 1096: daß die deutschen Kreuzfahrer die Juden zur Taufe gezwungen hätten. Beide Erzählungen stehen im engsten Zusammenhange, die spätere (von 1122) ist nur durch die frühere (von 1096) verständlich und was macht der Reimchronist daraus? Die eine, von 1122, hat er übernommen, die andere jedoch weggelassen. Nach seiner Darstellung hätte eine Stimme aus dem Jenseits dem sterbenden Bischof die schwerste Strafe angedroht, weil er den christlichen Glauben beleidigte, indem er zuließ, daß die getauften Juden wieder jüdisch wurden.17) Aber von den Vorgängen im Jahre 1096, die Cosmas erzählt, findet sich bei dem Reimchronisten nichts, wohl deshalb, weil er einen Widerspruch sah zwischen der einen (bei Cosmas stehenden) Erzählung, daß die Juden von den deutschen Kreuzfahrern überwältigt, und der anderen (von ihm, aber nicht von Cosmas, gebrachten), daß die deutschen Kreuzfahrer von den Juden besiegt worden seien. Und nun kommen wir zur Hauptfrage: ist Kapitel 86 der Reimchronik über den Sieg der Juden eine Erfindung des Autors, oder hat es einen geschichtlichen Kern? Daß der Autor seine Erzählung zwischen anderen, die zum 13. Jahrhundert gehören, eingeordnet hat, ist von geringem Belange. Er konnte ganz gut wissen, daß im 13. Jahrhundert deutsche Kreuzfahrer nicht nach Böhmen gekommen seien, daß also seine Erzählung in eine frühere Zeit gehöre, und trotzdem brachte er sie aus irgend welchen Gründen später in der Chronik —

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