Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 7)
- Language
- German
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2 fern zurückblieben. Weil sie wegen der großen Zahl des Heeres nicht alle zugleich auf derselben Straße marschieren konnten, zogen welche auch durch unser Land (Böhmen). Und mit Erlaubnis Gottes gingen sie auf die Juden los, tauften sie gegen ihren Willen, und die Widerstand leisteten, erschlugen sie. Da der Bischof Cosmas (von Prag) sah, daß dies gegen die kanonischen Vorschriften geschehe, suchte er getrieben vom Eifer der Gerechtigkeit zu verhindern, daß sie gegen ihren Willen getauft wurden. Aber es war vergeblich, weil er niemanden hatte, der ihn unterstützte. Denn Herzog Bracizlaus (Bretislav H.) stand mit seinem ganzen Heere in Polen am Ufer der Neiße. — Daß aber die Juden schon nach kurzer Zeit das Joch Christi abwarfen, die Gnade der Taufe imd das Heil des katholischen Glaubens verachteten, und ihren Nacken wiederum unter das Joch des mosaischen Gesetzes beugten, das konnte der Nachlässigkeit des Bischofs und der Prälaten zugeschrieben werden." Wie so viele Geistliche, war auch Cosmas (der Geschichtschreiber) ein Feind der Juden6) aber das ist kein ausreichender Grund, seine Erzählung für unwahr zu halten. Er hat damals in Prag gelebt, er mag einzelne Szenen, wie Juden unter Schlägen und Mißhandlungen in die Kirchen getrieben und getauft wurden, selbst gesehen haben — und was am schwersten ins Gewicht fällt: sein Bericht paßt ganz zu den Schilderungen ähnlicher Vorgänge in den Landschaften am Rhein. Von dort waren die Scharen Folchers nach Böhmen gekommen, und nichts ist begreiflicher, als daß sie in Prag gegen die Juden so vorgingen, wie ihre Genossen in Speier und Worms. Auch die Juden in Prag wurden vor die Wahl gestellt: Taufe oder Tod. Ein Teil widersetzte sich hartnäckig und opferte das Leben, die anderen beugten sich und ließen die Taufe über sich ergehen. Das war ein Triumph der Kirche,7) um so größer war die Enttäuschung, als die eben bekehrten wieder abfielen und zum Judentum zurückkehrten. Ganz andere Dinge erzählt uns eine zweite böhmische Chronik, die Reimchronik des sogenannten Dalimil:8) Deutsche Kreuzfahrer seien nach Böhmen gekommen, um die Juden zu plündern. Der böhmische König hätte die Juden zum Widerstand aufgemuntert, diese hätten sich bewaffnet, Kriegsvolk in Sold genommen, dann sei es zum Kampfe gekommen und die Juden hätten gesiegt. Wann haben sich diese merkwürdigen Ereignisse zugetragen? „Damals (tehdy)" sagt die Reimchronik. Die Untersuchung, was der Autor damit gemeint haben kann, scheint die leichteste der Welt zu sein. Denn das Kapitel der Reimchronik, das unserer Erzählung vorausgeht, nennt das Jahr 1248 und schildert den Krieg zwischen König Wenzel I. von Böhmen und den aufständischen Baronen unter Führung seines Sohnes Premysl Otto-