Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 6)
- Language
- German
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1 Kreuzfahrer und Juden in Prag (1096). Von Samuel Stein herz. Das Jahr 1096, in dem zum ersten Male christliehe Herrscharen nach Palästina zogen, um das Land von der Herrschaft der Ungläubigen zu befreien, ist den Juden in Deutschland noch durch Jahrhunderte im Gedächtnis geblieben: als ein Jahr des Schreckens und der Trauer, das ihnen furchtbare Leiden gebracht hatte. In Speier und Worms, in Mainz und Köln, in Metz und Trier waren die Kreuzfahrer über die Juden hergefallen, um sie zur Taufe zu zwingen. Die sich weigerten, wurden erschlagen oder gingen selbst in den Tod — tausende Juden haben damals (Mai und Juni 1096) ihr Leben geopfert, um dem Glauben der Väter treu zu bleiben.1) Es war nicht das eigentliche Heer der Kreuzfahrer, geführt von Herzog Gottfried von Bouillon, das solche Greueltaten an den Juden verübt hatte. Es waren zusammen gelaufene Scharen, die diesem Heere vorauszogen, Franzosen und Deutsche, Bauern und Städter, manche von ihren Frauen begleitet, die in religiöser Schwärmerei Haus und Hof verließen, aber auch Abenteurer und Gesindel, Leute die nichts zu verlieren hatten und auf Beute hofften. Eine solche Schar unter dem Befehl eines Grafen Emicho hatte die Juden in Mainz überfallen; andere hatten auf dem Marsch durch Bayern die Juden in Regensburg angegriffen, und diese in Todesangst — vielleicht hatten sie schon durch Flüchtlinge, die von Rhein kamen, gehört was dort vorgegangen war — hatten sich der Zwangstaufe gefügt.2) Eine dritte Schar, die ein gewisser Folcher (Volkmar) führte, kam vom Rhein über Sachsen nach Böhmen, um von hier den Marsch über Mähren und Ungarn fortzusetzen. Nach der Angabe eines gleichzeitigen Geschichtschreibers3) wären es 12.000 Mann gewesen. In den letzten Tagen des Mai 10964) erschienen sie in Prag, und was sich hier abspielte, erfahren wir von dem böhmischen Geschichtschreiber Cosmas: „In diesem Jahre (1096)" erzählt er in seiner Chronik,5) „war eine solche Bewegung, ja geradezu ein göttlicher Antrieb in dem Volke, nach Jerusalem zu ziehen, daß in Deutschland und besonders im östlichen Franken nur wenige untertänige Leute in den Städten und Dör- 1