Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1904
- Issue
- 2 (1904) Heft XIV
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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81 wenig Hochzeiten in Hamb. Vorkommen, auch eine Barmizwa sei so selten, dass diese Funktionäre darauf angewiesen seien, Uebrigens komme gerade von der Alton. Gemeinde stets der Vorbeter bezw. Küster der Gemeinde und der der betreffenden Synagoge zu den Festlichkeiten usw. Emden entscheidet nun: Was die Besteuerung der Armen anbetrifffc, so haben die Hamburger Recht. ״Wo nichts ist, hat selbst der Kaiser sein Recht verloren־‘(f. 16). Hat man es früher vielleicht anders damit gehalten, so war das jedenfalls gegen das Gesetz. Darüber, dass die Lehrer einen Schüler umsonst unterrichten müssen, sowie über die Beiträge zur Kasse der Talmud Tora existirt kein Statut (21b). Wenn die Altonaer 7/8י die Hamb. 1/8 zahlen, so müssen in demselben Verhältnis auch die Lehrer Freischüler von beiden Gemeinden annehmen usw. usw. Die Wandsbeker (30b) erklären, sie brauchten Dr. Gerson nichts zu zahlen, sie hätten seit langer Zeit ihr eigenes Krankenhaus. Nur seitdem ihr Dr. Schime'on zu alt sei, um nach Altona zu gehen, nehme man in Vertretung Dr. Gersons Dienste in Anspruch. Die Altonaer hätten von den Wandsbekern Geld zu fordern. Daraufhin erging gegen sie ein Bannurteil der Altonaer Gemeinde. S. 57. Leber einen unerqicklichen Wechselfälschungsprozess, welchen Popert gegen seinen Verwandten Lefmann Samson Herz anzustrengen sich genötigt sah, berichten: ״Unterthänigste Supplikation und Bitte . . in Sachen des Schutz- und Handelsjuden Lefmann Samson Hertz wider Einen Hochedlen Magistrat der Reichsstadt Hamburg,“ Wetzlar 1799, ״Getreue u. aktenmässige Darstellung des über den Juden L. S. Hertz in Hamb, wegen Wechselver.- fälschung verfügten Processes“, 1800, ״Prüfung der sog. getreuen Darstellung . . Replik auf die abseiten des Falliten Meyer Wolf Popert herausgegebene Dar- Stellung“, Wetzlar 1800, ..Rechtliche Vertheidigung des unglücklichen Kaufmann Herrn L. S. Hertz in Hamb.“, Wetzlar 1800, ״Nachtrag zu der ötfentl. gerichtl. Defension des ungl. Kaufm. Herrn L. S. Hertz zu Hamb., von ihm selbst aufgesetzt“, April 1801, ״Fortgang des Wechselprocesses zwischen Hertz und Popert.“ 1. Jan. 1802. Popert, ״ein bekannter und damals sehr reicher Banquier,“ dessen ״Gutmüthigkeit in Hamb, stadtkundig“, und ״welcher allgemein als ein äusserst dienstfertiger Mann bekannt“ ist, eröffnete 1793 dem Handlungshause D. & L. 8. Hertz einen Kredit von 30 bis 40 000 Mk., indem er ihm erlaubte, den Betrag von etwa 30 000 Mk. durch auswärtige Handlungsfreunde auf ihn und etwa 10 000 Mk. an seine Ordre zu traciren. L. 8. Hertz missbrauchte dieses Vertrauen und vervielfältigte unter Beihilfe eines auswärtigen Verwandten die Wechsel ins Unendliche. Bei Entdeckung־ des Betruges war II. auch sogleich geständig, und Popert willigte in Wahrung der Ehre seines einstigen Freundes in einen Vergleich, wobei er 100 000 Mk. zu opfern entschlossen war. H. verheimlichte jedoch eine grosse Summe falscher AVechsel und schaffte einen Teil der Waren (in Hamb., Leipzig, Braunschweig u. Frankf. a. d. Oder), die er P. zur Deckung versprochen hatte, heimlich beiseite. (Einige lagen noch ״zum Druck bey Popert in Altona.“) Nun blieb P., genauer Liprn. Joel Emanuel, wel eher seit P.’s Erkrankung (Portugiesengräber 33) die Prokura führte, nichts anderes übrig, als der Obrigkeit Anzeige zu erstatten. H. kam ins Gefängnis und wandte sich mit dem Vorwurf gegen den Senat, von P. bestochen zu sein, an das Reichskammergericht. Die unglückliche Katastrophe, welche 1799 über die Hamb. Börse hereinbrach, lähmte durch Verluste in Frankfurt, Berlin usw. auch P.’s Haus, und H. suchte hieraus Argumente gegen seinen Ankläger zu gewinnen. Als Zeugen treten u. a. auf: der ״bekannte Wechselmakler“ E. H. von Halle [geb. Hamb. 1773], Isak Hesse [beeid. Makler,;geh. Eschwege 1737], ״der bekannte Banquier“ Marcus Abr. Heckscher [Mit- Begründer der ersten Omnibuslinie Hamb.-Altona, Vater des Reichsjustizministers], dessen Compagnon Salomon Heyne, Marc. Sam. Warburg [Wechsel- 6 XIV. lieft. Jg. 1904. II.