Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1904
- Issue
- 1 (1904) Heft XIII
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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46 haben von Giock 10 bis 5 Uhr morgens gesucht und fanden sie dort in einem Teich und konnten sie nur mit Mühe herausbekommen. Ich fragte den Herrn Rabbinatsassessor Joseph, wie es mit der Beerdigung und den Vorbereitungen dazu bei dieser Frau zu halten sei. Der Bescheid ging dahin, sie in ein Laken (Leilieh) zu hüllen, in den Sarg einen ״Falter“ [ein Tuch] zu legen und ihr Socken anzuziehen, den Kopf wie bei anderen Leichen ״unterstars tiberstars“ zu bekleiden, doch die Leichenwaschung zu unterlassen. Die Tote wurde Sonntag, den 25. Schebat, auf dem neuen Friedhof vor dem Dammthor beerdigt. Der Herr nehme ihre Seele in Liebe auf, ihre Seele gehe ein in den Bund des Lebens, der Tod schwinde für immer. Amen. Dies habe ich zum Gedächtnis für spätere Geschlechter aufgezeichnet“ 1). Wenig erfreulich stellte sich auch das religiöse Verhalten gewisser Kreise dar, wie es Jehuda Leb Selichower in seinem Schire Jehuda (Arnst. 1697) schildert. Dem steht aber eine Bethätigung in allen Zweigen der allgemeinen Wohlfahrtspflege gegenüber, die zu den verschiedensten Zeiten die ungeteilte Anerkennung der Behörden gefunden hat2). In der Einleitung zu dem Gesetzentwurf von 1814 (vgl. Denkschrift über die bürgerl. Verhältnisse der Hamb. Israeliten 1834, S. 119), welcher, ohne in Hamb, selbst den Juden genützt zu haben, bei den Verhandlungen des englischen Unterhauses 1833 als ein Argument für die Emanzipation der Juden angeführt wurde, erklärt der Senat, dass die Juden Hamburgs durch ״ein stilles, bescheidenes und gemässigtes Benehmen und die willigste Anstrengung mit anderen fürs allgemeine Wohl, ja selbst eine vorzügliche Wohlthätigkeit und Vaterlandsliebe* mehrerer unter ihnen sich ausgezeichnet“. In erster Keihe stehen die Be erdigungsbriider schäften, die der Altona - Hamburger und die der Wandsbeker Gemeinde. 1804 bildete sich, von der dänischen Regierung sowie vom Hamb. Senat autorisiert, im Gegensatz zu der alten eine ״Neue Beerdigungs-Gesellschaft“, deren Mitglieder frühestens nach j) Wie an anderen Orten, wurde auch in Hamburg den jüdischen Delinquenten um den Preis der Taufe die Enthaftung in Aussicht gestellt. Besonders eifrig widmete sich der Judenmission Esdras Edzardi. Er gründete zu diesem Zwecke eine Stiftung, welche noch heute besteht. 0. F. Gaedechens (״Die Passmann'sche Schule in Hamb. 1683—1883“) berichtet uns von einem Oberlehrer Schantelig, welcher 1746 zur Belohnung für seine Information zweier getauften Juden 18 M., 1750 75 M. als Kostgeld für eine Jüdin erhalten hat. welche sich taufen Hess, nachdem er sie informiert und verpflegt hatte, wofür ihm wöchentlich ein Thaler gezahlt wurde. ־) Sie erstreckt sich auch auf das Ausland. So wird 1799 für die unglückliche Gemeinde von Sinigaglia gesammelt und das Geld durch Sam. El. Warburg an Jacob Vita Pacifico, Itepräs. d. Gern, in Ancona, übermittelt. Im Sommer 1803 schickt man 900 Mk. zur Unterstützung der Posener Abgebrannten. Anfang 1790 kommen (Dibre 127) ans dem Eisass und aus Belgrad Klagen, es werden Beiträge gesammelt. 1791 bittet Lissa, 92 Kalisch, 95 Kopenhagen und Wollin. 96 Eisenstadt um ״Hilfe nach dem grossen Brande“. In allen Fällen wird das Mögliche geleistet.