Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1904
- Issue
- 1 (1904) Heft XIII
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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— einem von jüdischer Hand verübten Mord. Der Fall hat auch seiner Ungewöhnlichkeit wegen bedeutendes Aufsehen erregt und eine literarische Fehde gezeitigt. Debora Traub 1), aus einer rechtschaffenen Familie, aber nach Aussage des Arztes und aller Nahestehenden seit ihrer Kindheit und später, besonders während der Schwangerschaft, geistig nicht normal, wurde angeklagt, ihre Schwiegermutter und Schwägerin, mit denen sie stets in Frieden gelebt, vergiftet zu haben. Sie wurde am 4. Febr. 1793 mit dem Schwert hingerichtet und gleich nachher unterm Galgen begraben. Lange vor der Verhandlung hatte man durch ein gehässiges Flugblatt ״Appellation an das Publicum in Sachen einer zu Hamb, inhaftierten Jiidinn und Inquisitinn“ 2J durch Aufreizung des Volkes auf die Behörde einen Druck auszuüben versucht. In dem Grindelfriedhof-Verzeichnis (im Alt. Gern. - Arch.) berichtet hierüber der Küster der Beerdigungsbrüderschaft Abr. b. Meir Görlitz: ״Am Montag, den 22. Schebat 555, wurde die Frau Dawerl, Frau d»*s Salman b. Meir Traub, auf Befehl der Behörde hingerichtet. Ihr Urteil ist gewesen, mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht und nach dmu Tode auf dem Gerichtsplatz begraben zu werden. Am Sabbat Par. Jithro sind die Vorsteher unserer Gemeinde beim Gerichtsherrn Amsinck in Audienz gewesen und hielten an, dass sie zu ihr einen Gelehrten schicken wollten, damit sie als Jüdin sterben sollte, wie denn auch der genannte Herr sogleich den Vorstehern Ordre gab, einen Gelehrten zu ihr zu schicken. Nach Sabbatausgang hat der Vorstand mir Ordre gegeben, mit Hirsch Halberstadt zu der Delinquentin zu geben. Der hat mit ihr von Sonnabend Abend bis Montag Glock 12 gelernt wie [sie] auch gebetet bis zur Stunde des Todes, und aus vollem Herzen vor Gott das Sündenbekenntnis gesprochen. Sonntag Abend hat sich Dawerl von den Frauen des Beerdigungsvereins, der Vorsteherin Malka Fr. dl. Elija Wiener, meiner Schwiegermutter Frau Pes’che Fr. d. Lozer Gobe Armenpfleger) und meiner Frau Serka, zur Bestattung waschen und ankleiden lassen und alles in Liebe angenommen. Nach Ausgang des [nächsten| Sabbats Mischpatim bin ich mit sechs Leuten und dem Meister der Henkersknechte mit Erlaubnis des hochw. Herrn Amsinck. solche Frau wieder auszugraben, aber im geheimen wegen des Pöbels, nach dem Gerichtsplatz gegangen. Wir U S. M Traub und sein Schwager J. I. Hirsch führten seit 1798 ״mm‘ Grosshandlung von Flohr und Band“. ־) Dagegen erschienen 1792: ״Auch ein Wort an das unparth. Hamb. Publikum“. ,,Ein ruhiges Wort an das Hamb. Publicum der unruhigen Stimme des Murrens in Sachen der peinlich angeklagten Jüdin entgegengesetzt“ und ״Noch Etwas der Inquisitin Traub wegen“, ferner Misler. J. H., Defeusionsschläft in Sachen der peinlich angeklagten Dovora Traub. geb. Hirsch, 1798. Zur Literatur gehören auch (sämtlich im Ver. f. Hamb. Gesell.): ״Niedergerichtliche Findung in Sachen Devora Traub. geb. Hirsch. Merc. d. 12. Dec. 1792“. fol. y, Bogen. ״Auf der Endhaubtung und Hinrichtung der Jüdin Debora Traub, Ihre Letzten Reden. Der Dreyen-Menschen, Mit Gieft-Vergeben hat in Hamburg“ gedruckt in Berlien A110 1798. 0. Dr. 8° 1 \ B. ״Schreiben an meinen Bruder in Ispahan. Revolution, Appellation etc. betreffend“. Altona, den 15ten November 1792. 0. Dr. 8° 1/.. Bogen. [A. F. Uranz.] ״Bemerkungen u. s. w.“