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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1904-01-01 · 1 (1904) Heft XIII · p. Seite 36

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1904
Issue
1 (1904) Heft XIII
Date
1904-01-01
Page
Seite 36 (sequence 44)
Language
German
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36 kein Heimlichkeit־‘. Diese Warnung erinnert wieder an die bereits verglichene Erzählung von Salman und Markolf, wo der letztere den Beweis führt, dass man Frauen kein Geheimnis anvertrauen dürfe. Ein lehrreiches Beispiel für das Walten der Volksetymologie gibt S 204: ..da hast du Siegel Petschir von meiner Hand, wacker aus zu petsckiren durch alle Land, wacker aus schreiben und aus rufen u. s. w.“ C 28 sagt Haman: ״Ich hab genumen dem Kenig Siegel Schpazier aus feiner Hand, auszuschreien und auszurufen u. s. w.“ C 28 kommt dieselbe Formel mit Siegel allein vor. Daraus ist nun W 304 geworden: ״Ich gib a Sejwel (Säbel!) in dein Hand, oiszischrajen u. s. w.“ Etwas glücklicher ist in einem andern Falle eine unverständlich gewordene Wendung durch eine andere ersetzt worden: S 204 ,,wert he (die Jungfrau) mir fein eben, die Krön von meinem Haupt wil ich ihr tun geben“. V hat dafür 28 das sinnlose: ״wird fie ihm fein zu geweben“. 27 aber: ,.fie wird mir fein mein Leben, die Kroin vin meinem Hoipt wil ich ihr geben“ und W 311 f. lautet: ״wet fie var mir a woil Leben tun leben, die Kroin vin mein Hoipt wel ich ihr awekgeben.“ Das sinnlose ״meine stempliche Wörter follen zi dem Vuter-Kinig in Moil aranfliegen־־ W 454 lautet 0 34: ,,meine ziemliche Wörter . .“ und: ... . in feine Oiren ein flieen“. Der ursprüngliche Wortlaut war offenbar: . vun meinem Maul in feine Oren areinfliegen“. ״Tok“ 576 (lautgesetzlich eigentlich Tuk) das rituelle Tauchbad, mild, tucken, tücken tauchen, galiz. jd. tikn. In einem Decret des Erzherz. Mathias von Oesterr. v. J. 1598 (Wertheimers Jahrb. f Israel f. 0627 S. 17) heisst das Wiener Judenbad die ״Tuckgruben“. ,,der Mann, wus er hot dem Vuter-Kinig vin Toit bäschert“ 715 f. ,,der dem Kenig fein Leben hat bewert“ S 217. Der ursprünglichen Fassung steht wohl C 37 am nächsten: ,,wus hot dem Kenig vin dem Toit upgewert“. Der verlorene Reim 728: ״a Bich mit 22 Wörter u. s. w.“ lässt sich aus der Rede des Königs S 208 wiederherstellen: ,,(du) folst pasken isser beheter (sic) in die Gemoro von seks 1114 neinzig Bieter“, so dass zu lesen ist ,,a Bich mit 22 Bieter 11. s. w.“ An die Sprache des deutschen Volksliedes und der Fastnachtspiele erinnern die formelhaften Anreden: ״Loifer, getreier Diener di man“ W 65 C 8, im galizischen Purimspiel in hyperhochdeutscher Form: ״gutreier gutreister Badiener du mein“. In S 220 sprechen sich Haman und der Schreiber an: ,,du herz aler liebster Bruder mein“. Der Eintrittsgruss des Königs S 204: ,,Gott griss eich Frauen und Mann und al die hier fein beifamen, gross und klein und alle gemein“, W 40: .,Gott baglick Schwester in Brider . . . far urem in rach in far alle ziglach . . . far grois in klein ejdern noch fan gemein“ 43 tf. (' 6: ,.Gott griss Schwester und Brider. jung und alt unter mein Gewalt urem in räch bei mir alle zu glacli . . — W 132 bittet Waschti, ihr ihr ״junges Leben“, 150. 158, 166, 174 deminutiv ״Leb(i)chen“ zu schenken, ebenso 0 12 ,,mein junges Leblein“. — In Hamans Abschied von seinem Weibe und Todesklage: ,,über dir zu springt mir mein junges Herz, der mit ein gute Nacht, du tausend Schatz . . . drum Schreiber nein mein Schnupftüchlein mV verbind mir meine schwarz braune Aeuglein“ S 225 . . ,,mein schneeweiss Hälslein 219, 225 . . .

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