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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1904-01-01 · 1 (1904) Heft XIII · p. Seite 34

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1904
Issue
1 (1904) Heft XIII
Date
1904-01-01
Page
Seite 34 (sequence 42)
Language
German
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scliliesst er das Stück: ..Jetzt muss icli werden von der Welt gebracht, drum Herren und Fürsten ein gute Nacht!״ Der sagenhafte Zug von der Wahl des Baumes, die dem zum Tode Verurteilten gelassen wird, ist weit verbreitet, so im deutschen Spruchgedicht von Salomon und Morolf und in den verwandten deutschen Erzählungen (vgl. z. B. Köhler, Kleine Schriften 3, 12). Er findet sich sowohl im Midrasch als im Targam, wo die Bäume sich weigern als Galgen zu dienen und nur der Dornbusch sich dazu erbietet. Umgekehrt streiten im Jalkut die Bäume darum als um einen Vorzug. In den eingangs erwähnten Semiroth Purim hat diese Episode sogar eine selbständige Bearbeitung gefunden. 0 fügt diesen Zug ebenso wie Targum und Jalkut ganz unpassend nach der Verurteilung Hamans ein und gerät dadurch in Widerspruch mit der biblischen Erzählung, nach welcher Haman an den von ihm für Mordechai errichteten Galgen gehängt wird. Logisch richtiger ist im Midrasch (Wünsche 66) die W7ahl des Baumes auf den Zeitpunkt verlegt, wo Haman den Galgen für Mordechai vorbereitet. Auch in S ward der tragische Eindruck am Schlüsse sehr burlesk durch ein sonderbares Intermezzo gestört. Nachdem Haman bereits aufgehängt ist, sagt der König: ״Schreiber, gib ihm ein Glaf (?) in feine Ohren, vil leicht wert er wider wem geboren.“ Haman: ״Ich bin gewelen auf jener Welt und hab gescliauet vil Gelt,“' Schreiber: ״Du Schelm, warum liastu’s nit genuinen?“ Haman: ,,Ich hab geforchten, ich wer um mein Leben kuinen.“ Aus der Sprache der drei Rezensionen soll nur das herausgehoben werden, was zur Beleuchtung ihrer Beziehungen zueinander von Wert ist. Es sind dies vor allem im Laufe der Zeit missverstandene oder ganz unverständlich gewordene, entstellte oder durch andere ersetzte Ausdrücke, die sich durch Vergleichung mit einer andern Fassung erklären lassen. Von Interesse sind auch veraltete Ausdrücke und Wendungen, die an die deutsche Volkssprache erinnern. Wörtliche Uebereinstimmungen, und zwar sowohl zwischen je zwei Texten, als auch zwischen allen dreien, finden sich zu zahlreich, als dass sie hier aufgezählt werden könnten. Der König ward in C gewöhnlich angesprochen: ״mein ganz gnediglicher geborener (kestlicher) Vuter Kinig.“ Das ist eine Kontamination aus den verschiedenen Titulaturen bei S: ״aller hoch edel geborner K.“ 203f. ״aller edel hoch geborner K. und Herr“ 211 ״a. e. h. g. Iv. Herr Vater mein“ 203. 223. ״aller gnedigster K.“ 216 ff. ״a. e. h. geborner gnedigster K.“ 220. 222. W hat immer die einfache Ansprache: ״Vuter Kinig, kiniglicher Vuter“', wofür sich bei S auch schon die Vorbilder finden: ״K. Herr Vater“ 213 ,,Königin Frau Mutter“ 219, allerdings nicht in unmittelbarer Anrede, sondern in der dritten Person. Der eigentümliche Beiname Judat, den der Loifer in Var. zu lff. Mordehen gibt, bildet in C die stehende Anrede. Der ״Kanzler“ von W und 0 führt in S den Titel ״Schreiber“. Wr 691 wird er ״Kanzler-Schreiber“ angesprochen. Im Personen- Verzeichnis von 0 hat er den Namen Bigsunu, wobei wohl nicht an. den Verschw orenen gleichen Namens Esth. 6, 2, W 699 zu denken ist.

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