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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1904-01-01 · 1 (1904) Heft XIII · p. Seite 33

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1904
Issue
1 (1904) Heft XIII
Date
1904-01-01
Page
Seite 33 (sequence 41)
Language
German
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33 Nichtjuden berührten Wein für unrein ansehen. Sehr merkwürdig und W allein eigentümlich ist aber die Anklage 475 bis 509. wo der Verfasser sein Vorbild verlassend, einen sehr beachtenswerten Anlaut* zur sozialen Satire nimmt und die unsauberen Geschäftspraktiken der Handwerker und Kaufleute scharf und treffend geisselt. In 0, wo das Sündenregister überhaupt sehr zusammengeschrumpft ist, schliesst sich an den Vorwurf wegen des Weines ganz unvermittelt der Satz: ,,die jüdischen Handwerker sind schreckliche Betrüger, es ist von ihnen nicht auszuhalten“, der in seinem Lakonismus den Inhalt einer umfassenden Anklage zu resümieren scheint, die in einer C und W gemeinsamen Quelle zu suchen sein dürfte. Nachdem der König den Vertilgungsbefehl ausgesprochen hat, berät Haman in W 615ff. mit dem Kanzler, wie die Juden am besten umzubringen seien, in C 31 ff. berät er mit dem Kanzler über Art und Tag der Vernichtung, worauf erst die Anklage 33ff. folgt; das Urteil des Königs fehlt hier, dagegen ist in S von einer Beratung keine Hede. An der Stelle der durchaus ernst gehaltenen Klagen Mordechais und Esthers W 646—690, die in C ganz fehlen, bringt Mordchai in S 215f. einen grotesken, aus Brocken hebräischer Gebete, Kettenreimen und Unflätigkeiten gemischten Gallimatias vor, in dem eigentümlicherweise auch ein halb polnischer, halb kleinrussischer Satz vorkommt. Dagegen fehlen S die Parodien der beiden anderen Texte, nämlich die Sterbegebete für Waschti, W 220 — 240, 0 18— 23, Ehevertrag und Trainings- Formel W 398—427, C 30f., die teils aus einer scurrilen wortspielenden Uebersetzung verschiedener Gebetbruchstücke, teils aus einer travestirenden Paraphrase bestehen, die nur durch den Beim mit den Worten des hebräischen Originals zusammenhängt. Die Darstellung des Attentates auf Esther, dessen der König Haman Esth. 7, 8 irrtümlich beschuldigt, beruht, wie sie im Vorwort geschildert wird, auf dem Midrasch (Wünsche 71;, nach welchem der Engel Michael Haman gegen Esther stösst und dadurch den Argwohn des Königs erregt. Im Mezach Aharon ist es — wahrscheinlich nach dem Jalkut und dem ersten Targum — der Engel Gabriel: in C wird das Attentat gar nicht zur Schau gebracht, sondern nur später (40) von Ham ans Frau erwähnt. Es fehlt hier auch das Urteil über Haman, und seine Todesklage folgt ganz unvermittelt auf die Fhrung Mordechais. In S 218f. wird dagegen das Attentat als wirklich von Haman beabsichtigt und versucht dargestellt und 221 von ihm in seinem Sündenbekenntnis aufgezählt. Sündenbekenntnis und Todesklage nehmen in S ein Drittel des ganzen Spiels ein. In W deutet Mordches Aufforderung an Haman 839 auf ein früher vorhanden gewesenes Sündenbekenntnis, es folgt aber anstatt dessen eine alphabetisch geordnete Klage und eine Reibe von Fragen Hamans, auf die im Chorus geantwortet wird. Der Schluss von C ist eigentümlich verändert. Warend W ganz dramatisch mit dem Tode des tragischen Helden (so darf man Haman hier wohl nennen) schliesst, behält er in C das letzte Wort und geht, nachdem er von seinen Söhnen Abschied genommen, in den Wald, um einen Baum zu einem Galgen für sich auszusuchen, und muss, weil sich die Eiche ihm versagt, den ״Dornbaum” wählen. Nachdem er noch vom Todesengel erzählt, der dem Menschen drei bittere Tropfen einflösst, XIII. Heft. Jg. 1904. I. 3

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