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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1904-01-01 · 1 (1904) Heft XIII · p. Seite 31

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1904
Issue
1 (1904) Heft XIII
Date
1904-01-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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31 überschrieben sind. Anf das letztere ist bei der Leichtfertigkeit, mit der volkstümliche Drucke dieser Art gemacht werden, weiter kein Gewicht zu legen, das Personenverzeichnis lässt aber keine andere Erklärung zu, als dass C auf einer älteren Vorlage beruht, in der Mordeehai und der Narr zwei verschiedene Personen waren, die später in eine verschmolzen, und dass dessen ungeachtet das Personenverzeielmiss aus Unachtsamkeit unverändert abgedruckt wurde. Zu dieser Verschmelzung mag wohl das Bestreben, mit einer möglichst geringen Zahl von Dar- Stellern das Auslangen zu finden, geführt haben. Dass dabei die Rolle des Possenreissers gerade dem Vertreter des Judentums im Stücke zufiel, ist begreiflich. Wer hätte sonst die Parodien der Gebete, die witzigen Wortspiele und Anspielungen, die nur in der Mundart beruhen und nur in ihr möglich sind, Vorbringen können, wenn nicht der Jude, im Gegensatz zu dem die übrigen Personen durch eine dem Hochdeutschen möglichst angenäherte Sprechweise charakterisiert werdenV Drastischer konnte auch der Triumph des Judentums über seine Verfolger nicht versinnlicht werden, als wenn der Erzfeind der Juden zu dem Schaden noch den Spott ernten und sich nicht vor dem ,,jüdischen Fürsten", sondern vor dem Possenreisser demütigen musste. Der Name Mondrisch, den die komische Person in C, sowie in der galizischen Form des Spiels führt, ist mit Anlehnung an den Namen Mordche aus dem polnischen madry (spr. mondryj klug, mit dem polnischen Masculinsuffix -us gebildet und kennzeichnet den Narren als den Vertreter des derben Mutterwitzes. Die Form Mondrechai in der Variante zu W. 1 ff. lässt sich als Uebergangsform von Mordeehai zu Mondrisch deuten. Die Bezeichnung ״Prinz Mondrino“, die sich der Narr in 0 wiederholt selbst beilegt, dürfte eine Reminiszenz an die in dieser Rolle aufgegangene Person des ״jüdischen Fürsten“ sein. Einen Ahnherrn Mondrischs könnte man in dem Narren des Midrasch erblicken, der den Disput über die Schönheit der medischen und persischen Frauen durch ein derbes Witzwort beendigt (Wünsche, Midrasch Esther 30 ), und bei dem man unwillkürlich an den Narren und sein Weib in Rosenblüts Fastnachtsspiel von der Luneten mantel erinnert wird. Durch die von Herrn Dr. W. verzeichneten fünf ״Pausen“, welche ebenso viele Ruhepunkte und Wechsel der Handlung markieren, wird das Spiel in sechs Abschnitte, man darf wohl sagen, Akte, geteilt. Von diesen fehlt — und das ist der wesentlichste Unterschied zwischen S einerseits und C und W andererseits — der erste, der das Gastmahl, Waschtis Ungehorsam und Verurteilung, Klage und Tod umfasst, und der hei W 1/4, hei C sogar 1/3 des ganzen Spiels einnimmt, vollständig bei S. Hier erzählt der König nach seinem Auftreten ganz kurz von Waschtis Ungehorsam und Verurteilung und fordert Haman auf, ihm eine Jungfrau zu suchen, ,,viel schöner und besser als Wascbti war“. Dass hier S, obgleich die älteste der drei Rezensionen, nicht die ursprüngliche Fassung darstellt, sondern eine Verkürzung eines älteren Textes bietet, wird, abgesehen von inneren Gründen, auch dadurch wahrsclieiniich gemacht, dass, wde sieb weiter unten zeigen wird, W und C auch in diesem Akte Ausdrücke aufweisen, die unzweifelhaft aus älterer Zeit stammen, und einer späteren Erweiterung nicht angehören können. Man darf übrigens bei der Bewertung solcher Mängel der Komposition

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