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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1904-01-01 · 1 (1904) Heft XIII · p. Seite 30

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1904
Issue
1 (1904) Heft XIII
Date
1904-01-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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30 Zwischen dem Purimspiel und den deutschen Estherdramen des 16. und 17. Jahrhunderts (s. über diese Pud. Schwartz, Esther im deutschen Drama des Reformationszeitalters, Oldenb. 1894, und Krauss, Esther im deutschen Drama. Sonnt. Beil, der Yoss. Ztg. 21. und 28. Sept. 1902) scheinen keine Beziehungen zu bestehen. Dagegen erinnert die Form der Purimspiele lebhaft an das volksthümliche Schauspiel des ausgehen־ den Mittelalters. Es sei hiefür auf den Anfang von S hingewiesen, wo (leider wird nicht gesagt, von welchem der Spieler) das Stück angekündigt und Raum für die auftretenden Spieler geschafft wird, ferner darauf, wie in W und C die einzelnen Personen vom Läufer eingeführt und zum Auftreten aufgefordert werden, wie sie ihre Reden damit beginnen, dass sie sich den Zuschauern vorstellen, wie W (Vers 33 ff.) die lustige Person die Hoffnung auf Bewirtung und Bezahlung der Spielenden ausspricht, was auch am Schlüsse von S — wieder ohne Angabe des Sprechers — geschieht, endlich auf die Parodien der Gebete. Schliesslich mag nicht unerwähnt bleiben, dass zum Kostüm des Mondriscli, der lustigen Person im galizischen Purimspiele, Schwänze aus Pelzwerk gehören, gerade so wie Tierschweife einen Bestandteil der alten Narrentracht bildeten. Vgl. Weinhold, Leber das Komische im altdeutschen Schauspiel in Gosches Jahrb. f. Literaturgesch. I. S. 1—44. Auf sprachliche Aehnlichkeiten werde ich noch am Schlüsse zurückkommen. Bei der Untersuchung der Abhängigkeit der einzelnen Bearbeitungen von einander kommen alle j ene inhaltlichen Uebereinstimmungen nicht in Betracht, welche auf gemeinsamen Quellen beruhen, die allen Bearbeitern zu Gebote standen. Es sind dies ausser dem biblischen Estherbuche selbst die an legendenhaften Ausschmückungen reichen Paraphrasen desselben im Talmud, Midrasch, dem zweiten Targum und dem Jalkut. Das jüdd. Werk Mezach Aharon, das alle diese Quellen zusammenfasst und nahezu erschöpft, kann nicht als Quelle angesehen werden, da seine erste Ausgabe erst 1718 erschienen ist. Da also inhaltliche Übereinstimmungen nur dann für eine Verwandtschaft beweisend sein könnten, wenn sie sich nicht auf diese gemeinsamen Quellen zurückführen Hessen, so wird man das Augenmerk hauptsächlich auf die Komposition und Ausdrucksweise zu richten haben. In dieser Beziehung zeigt W, wie sehr begreiflich, mehr Verwandtschaft mit dem zeitlich und örtlich ihm näher stehenden C als mit S. C kann, soweit ich dies aus Mitteilungen von Personen erschliessen kann, welche Aufführungen des Spieles zu sehen Gelegenheit gehabt; haben, im grossen und ganzen als Typus des Pnrimspiels angesehen werden, wie es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Galizien aufgeführt wurde. Allen dramatischen Fassungen ist die lustige Person gemeinsam. Die Vereinigung derselben mit der Rolle Mordechais, an der Herr Dr. W. Anstoss nimmt, scheint aber nicht ursprünglich zu sein. Wenigstens sind in dem Personenverzeichniss, das C vorgedruckt ist, ״Mordechai, der jidischer First“ und ״Mondrisch, der Hofnarr“ als verschiedene Personen aufgeführt. 1111 Schauspiel selbst bilden sie allerdings nur eine Person, die von den Andern immer mit Mordechai angesprochen wird, während ihre Reden ohne Rücksicht auf den Inhalt auf den ersten zwanzig Seiten immer mit Mondriscli, von da ab aber immer mit Mordechai

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