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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1904-01-01 · 1 (1904) Heft XIII · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1904
Issue
1 (1904) Heft XIII
Date
1904-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Die Pseudokultur bei den oberen Ständen und Hamans mehrfache Wiedergeburt bei dem niederen Volke. Da es mir an jeglichem literarischen Vergleichsmaterial mangelt, so muss ich mich leider damit begnügen, hier nur einiges über die Aufführung und Sprache des Purimsspiels zu sagen und die interessanten Fragen über Entstehung, Wanderung, Aenderung der ursprünglichen Form (Unterscheidung zwischen Original und späteren Zusätzen) denjenigen überlassen, die sich in glücklicherer Lage als ich befinden. Vor etwa zwanzig Jahren waren die Pirim Spieler ein unerlässlicher Bestandteil jeder Sside (Purimmahl). Es waren meist arme Handwerker, die sich in verschiedene, je nach Geschmack, vom Trödler geborgte Uniformen kleideten, von Haus zu Haus gingen und das Pirimspiel, manchmal aber auch das Josephsspiel, entweder teilweise oder das ganze Stück, je nach der zu erwarten־ den Belohnung, aufführten. Jetzt werden beide Spiele nur sehr selten aufgeführt und dann sehr schlecht, so dass in ganz kurzer Zeit jede Erinnerung an beide verschwinden wird. Die weiblichen Rollen werden von Männern gespielt, der König trägt eine Papierkrone, Mordche trägt einen langen grauen Bart, einen langen Talar und oft ein Fes auf dem Kopfe, wahrscheinlich um das Publikum an den fernen Osten, den Ort des Spieles, zu erinnern. Warum gerade Mordche als Possenreisser und Witzmacher auftritt, ist nicht leicht zu erklären. Wer sollte aber in einer so noblen Gesellschaft den Narren spielen, wenn nicht der verhasste Jude? Oder vielleicht umgekehrt: Hat denn nicht der so augenscheinlich unter Gottes direkter Obhut stehende Jude das Recht, die ganze noble Gesellschaft auszulachen? Der Galgen wird durch die Kreuzung der Schwerter säintlieber Mitspieler über dem Kopfe des Verurteilten dargestellt. Waschti wird vom Henker geköpft, indem er ihr eine umgewendete Mütze aufsetzt und dieselbe mit einem Schwerthieb zu Boden wirft. Hamans Aufstieg auf die ״Staffeln“ wird nicht dargestellt. Wenn er mit seinen Klagen fertig ist, stellt er sich unter die gekreuzten Schwerter, wodurch seine Hinrichtung angedeutet wird. Wie mir einer der Spieler ganz ernsthaft mitteilte, geschieht das ״Putzen und Scheren“ Mordechais (V. 746) im Bade, wohin er von Haman

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