Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1904
- Issue
- 1 (1904) Heft XIII
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen der (jesellschaft |ür jüdische Volkskunde unter Mitwirkung hervorragender Gelehrter herausgegeben von JVI. Grunwald. Heft XIII. Hamburg. Jahrg. 1904, Nr. I. Das Purimspiel von Ahasverus und Esther. Mitgeteilt von Dr. S. Weisseufoerg, Elisabethgrad, Russland, Vorwort. Die Judenverfolgungen in Russland machten dem frohen Leben der Juden ein Ende. Die Sorge um das tägliche Brot, die jetzt viel schärfer auftritt als früher, und die Unsicherheit der Existenz im allgemeinen haben so tiefe Wurzeln in das Gemüt des jüdischen Volkes geschlagen, dass jede Fröhlichkeit durch die trübe Wirklichkeit erstickt wird. Das früher so heitere und schöne Purimfest wird fast gar nicht mehr gefeiert, und nichts erinnert mehr an das ehemals so rege Leben an diesem Tage auf der Strasse und im Hause: man sieht keine Schalachmones-{Geschenke-)Träger, keinen ״Grager״ (Schnarre s. Mitteil. III, 58), keine Pmmspieler. Moderne Torten ersetzen bei den Reichen das kunstvolle grossmütterliche Gebäck; die modernen Schulen suchen jeden volkstümlichen Keim zu vernichten; der alte ,.Behelfer“, der so klangvolle ״Gragers“ schnitzte, ist schon längst gestorben; das schlichte Pirimspiel ergötzt nicht mehr, das wenige Hebräisch, das darin vorkommt, wird meistens nicht mehr verstanden, das Publikum sucht naturalistischere Reize. So arbeiten an der Zerstörung des jüdischen Volkstums zwei mächtige Feinde: XUI. Heft. Jg. 1904. I. 1