Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Am 3. Mai wenden sieh einige wohlhabende Mitglieder der Oe־ meinde an die Regierung mit dem Bemerken, man habe »len König über die vorjährige Wahl mit Absicht falsch unterrichtet. Man nmgo nur die Wahlleiter darüber eidlich verhören. Man hatte diese Wahl, wie jede frühere, im Sommer angesetzt, weil viele Mitglieder in Hambürg wohnten und diese hei dem früheren Thorschluss im Winter leicht ausgeschlossen bleiben konnten. Einige Tage vor einer solchen Wald wurde dem OK., den Aeltesten und Beisitzern ein Verzeichnis der Waldberechtigten eingehändigt, weil in einer besonderen Vorversammlung eine Untersuchung über die zur AVahl stehenden Kandidaten statttinden musste. Dieser Versammlung wohnte der OK. honoris causa ohne beratend*.! Stimme bei. Der OK. Ezechiel Katzenellenbogen pHegte bei Beginn der Beratungen sich zu entfernen. Dasselbe that diesmal Eyb. Zunächst wählte mau sieben AVahlmänner. Die Büchse mit den Stimmzetteln wurde nach der AVahl dem OK. eingehändigt. In seiner und zweier ER. (legenwart zogen die Sclmlbedienten nach einander sieben Kamen heraus. Von diesen sieben Wahlmännern bezeielmete nun ein jeder aut einem Zettel, welcher sogleich versiegelt wurde, sechs Kandidaten für das Vm־־ steheramt. Diese Zettel kamen in eine andere Büchse und der OR. nebst zwei IJK.n und zwei Kassierern stellte fest, welche sechs Kandidaten die meisten Stimmen auf’ sich vereinigten. Ebenso wurden die Beisitzer und Kassierer gewählt. Bei einer früheren AVahl hatte sich der Fabrikant und dänische Armeelieferant Jac. Meyer, wegen seiner grossen Wohlthätigkeit bei Christen wie Juden, bei Zivil wie Militär ungemein beliebt, geweigert, das Vorstelieramt anzunehmen. Auf eine solche Weigerung war damals eine Strafe von 40 Ktlrn. gesetzt. In Anbetracht seines grossen Einflusses sollte aber Meyer nach der Bestimmung des ORAs Ezechiel ausnalimsweise 500 Tlr. zahlen. Um diesen Preis stand er von seiner AATeigerung ah. Dieser Vorsteher, auf dessen Wahl einst solches Cewicht gelegt worden, sei nun in der neuen, vom König anbefohleiien Wahl von den Anhängern Eyb.’s aus seinem Amte verdrängt worden. Ebenso wäre es beinahe dem Aeltesten und kgl. Schutz judon M. S. Heckscher ergangen, obwohl vor zwei Jahren seine willkürliche Ab- Setzung auf Befehl des Königs aufgehoben worden. Nur durch ein glückliches Los sei er diesem Schimpf entgangen. Die Cegner, welche durch diese AVahl die Oberhand gewonnen, seien armes Volk. Die Billigkeit fordere es datier, dass aus der Alitte der Begüterten, welche doch einen unverhältnismässig grossen Anteil an den Gemeindelasten trügen, den aus den Arnum gewählten Kassierern ein Beirat von zwei Vertretern an die Seite gestellt werde. AVenigstens 15—2') Personen, welche mindestens 3000 Ktlr. Kapital jährlich versteuern, sollte man bei neuen Auflagen und ausserordentlichen Ausgaben zu Kate ziehen. Ohne deren Einwilligung sollen die Aeltesten keine Assignatiomm, die höher als 10 Ktlr., aussteilen dürfen. Ilmen oder doch einem engeren Ausschuss sollen die Kassierer die Jahresrechmmgen vorlegen. Die Synagoge sei jetzt ein Tummelplatz der gröbsten Thätlichkeiten, über die Vorgänge mit Aron Aron und Jos. Aron z. B. lägen ja die Protokolle heim ()her- Präsidium. Die Unterzeichneten hätten sich daher notgedrungen Privatgottesdienste eingerichtet, doch wolle man diese gewaltsam auf heben.