Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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116 wie im früheren (Kompromiss, ganz von selbst auf sein Amt. ohne bei irgend einer Behörde oder privatim Beistand zu suchen. Andererseits verpflichten sich auch sämtliche Aeltesten und Nebenältesten der Altonaer Gemeinde in ihrem und der Gemeinde Namen, sich dem Urteil des Schiedsgerichtes zu unterwerfen. Die Kosten des Verfahrens werden der Gemeindekasse auferlegt, Falls Eyb. persönlich vor den Richtern erscheinen muss, wird ihm eine Reiseentschädigung von 40 Louis d’or bewilligt. Am 24. Aug. beschweren sich Levin Sam. Hertz, Mos. Hartwig, Sam. Gottschalk, Lion Mos. Goldschmidt, die Hamburger Behörde habe ihnen befohlen, ihre, die Hamb., Gemeinde von dem OR. loszusagen. Es hätten sich seinerzeit einige wenige in der Gemeinde aus Parteilichkeit der Wahl Eyb.’s widersetzt, und diese seien nun Tag und Nacht darauf bedacht gewesen, ,,diesen berühmten, gelehrten und rechtschaffenen Mann zu verfolgen und ihm Verspottung und Unlust zu erwecken.“ Fraglos sei es. .,dass statt eines Niedriggesinnten zehn von unserer Gemeine dem erwehnten OR. zugethan und ergeben sind und folglich um die Beybekaltung dieses auserlesenen Mannes Ew. Magn. Hoch- und Wolweise Herrlichkeiten benebst uns angelegentlichst und demiithigst anflehen.“ üebrigens seien 1) nur die Dreigemeinden gemeinsam berechtigt, einen OR. anzustellen oder abzusetzen, 2) liege es im Interesse des Friedens zwischen den drei Gemeinden, wenn sie einen gemeinsamen OR. hätten, 3) könnten sie sich ihrer Verpflichtung gegen Eyb. nicht so ohne weiteres entäussern, 4) sei eine solche Entlassung noch nicht dagewesen, zumal man Eyb. eigens von Metz herberufen habe, 5) seien sie gar nicht imstande, auf eigene Kosten einen OR. anzustellen, 6) wären sie alsdann für ihre Person in Altona unsicher, auch gingen sie ihres Friedhofes in Ottensen, den sie mit schwerem Geld erkauft, verlustig. Eyb. schreibt am 4. Sept. an den König: ,,Ew. kgl. Maj. bin ich alter bedrängter Rabbiner genöthigt, fass־ fälligst und mit weinenden Augen allerunterthänigst und allerdemüthigst anzugehen.“' Er hat sich anfangs den Angriffen gegenüber ruhig verhalten. Sowie die Gegner, bes. Mos. Ahron, ,,dennoch meine Gelassenheit merken, denken sie weiter.“ Er ist ,,von Metz anhero mit grossen Spesen und Reisekosten“ gekommen, um hier solche Unbilden zu erleiden. Die Gegner ,,wollen absolut haben, dass ich die Streitsache, so zwar schon olmfehlbar hey Iliro kgl. Maj decidiret, de novo durch drev Rabbiner erkennen lassen soll und deswegen einen Compromiss verfertigen. . . Ich flattirete mir auch, dass bey ausgefertigten Compromiss meine Missgönner einmahl ihren Hass und Gereuel sincken lassen und die Ruhe hergestellet seyn werde. . . Ich sendete auch an die bey de Rabbiner inerhalb 2 Monath meine schriftliche Defension.“ Dabei beruhigen sich aber die Gegner nicht, sondern sie streuen gegen ihn Pasquillen aus, ja die meisten Aeltesten sind seine ,,Missgönner.“ Er will seine Sache der polnischen Synode — von 600 Rabbinern — vortragen. Geschieht dies nicht innerhalb 3 Monate, so will er statt des verstorbenen Lissaer OR.’s einen anderen Schiedsrichter vorschlagen. Die Gegner ,,vergessen gänzlich die Achtung, welche sie ihrem OR. schuldig und befehlen mit harten Worten, dass sie solches nicht acceptiren.“