Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Am 17. März unterstützt der Oberpräs. den Vorsteher Mos. Ahron, als ihm der Bäcker Zander Jacob die bestellten Osterbrote zu liefern siel! weigert. Am 24. März erklären Elias Oppenheimer, Levin Sams. Hertz und Simon Levi Delbanco im Namen des gesamten Vorstandes, ihr OB, mahne in seinen Predigten stets zum Frieden, nur seine Feinde schwärzten ihn an. Dass ein Jude nachts auf der Strasse angegriffen worden, sei richtig. Doch wisse man nicht einmal genau, ob der Angreifer ein Jade war. Auf die Meldung an den Oberpräs., dass auf offener Gasse ״jener Marcus Hena am 23. April abends von Sal. Meyer jun. (auch Sal. Holländer genannt) fast mörderisch traktiret“, wird (1. Mai) vom Prätor nochmals vor jeder Ausschreitung in Worten oder Thaten ״bei Vermeidung fiscalischer Anklage auf Leib und Lebenu gewarnt. Sal. Meyer muss Kaution stellen, ״ec!1apiertu aber ״meineidig“. Er hatte den Verdacht auf M. S. Heckscher lenken wollen. Am 28. Mai erscheint ein gedruckter ״kurzer Bericht von dem Hochgelehrten Babbi Jonas und den unter den Juden seinentwegen entstandenen Streitigkeiten.“ Eyb. wird darin dagegen verwahrt, als habe er vor einem lutherischen Geistlichen sich geäussert, dass der Messias längst gekommen sei. Am 17. Juni1) geht Eyb.2) vom Oberpräsidium die Aufforderung zu. binnen zwei bis drei Wochen auf folgende ״unter der Hand von Gottsch. Levi ad acta gegebene“ Fragen zu antworten: 1) Ob er bei seiner Verwandtschaft mit so vielen Gemeinde mitgliedern überhaupt nach jüdischen Grundsätzen OB sein dürfe. 2) ״Auf welche Art er mit den Bekandten Scliabsewiten chya chyon in correspondence und connexion gerahten? 3) Ob er nach Anzeige seines Sub No. 1 ad Lit. K an den OB. in Frankf. geschriebenen Briefes bey dem Antrit seines Amtes geschworen, alliier keine Amuleten oder geheime Sachen zu schreiben. 4) Ob er nicht die Sub Lit. M in copia vindimata hier beygehende 5 Metzer amuleten im gleichen die Bey de Sub Lit. L ausgegeben und für die seinige erkenne? 5) Worinnen die Gründliche Explication des an Gottschalk Levy seine Tochter ausgestelten amulets, die er nach dem vorgeben des Juden- Aeltesten H. S. Popert und Consorten in ihren wieder Sam. Heckscher eingegebne allerunterthänigste Imploration an unterschiedliche Jüdische a) Einige Tage vorher war Berschel aus Amst. zurückgekehrt. Seme Freunde rieten ihm, gegen Eyb. und dessen Anhang auf Entschädigung zu klagen. (Meg. sef.) '2) Im März 52 erhält die Hamb. Behörde nach Erkundigung ״bey einem grossen Herrn einen Brief aus Prag,“ worin gegen Eyb. die Beschuldigung wiederholt wird, er habe es seinerzeit mit den Franzosen gehalten. ״Das Lob hat er gehabt, dass er der starckste Intrigant gewesen und viel Unheil angestiftet und anstiften helfen“. Bei den Akten liegt auch eine Abschrift des kaiserl. Befehls Prag. 31. Juli 1744. in welchem ״Eibschitz“ des Incolats verlustig erklärt wird. Schon einige Wochen vorher (8. März) bittet der Senat den Oberpräsidenten um Mitteilung aller Massregeln gegen das ״in allen Stücken ausschweifende Betragen dieses scheinheiligen und herrschsüchtigen Menschen“.