Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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103 wird ihr verboten, von ihrem Vermögen bis auf weiteres etwas zu veräussern Sie erklärt jedoch, nicht schreiben zu können, man solle sich selbst an ihren Mann wenden. Ohne Einwilligung der Vorsteher wurde auch von drei Altonaern an den Amsterdamer Vorstand das Ersuchen gerichtet, in diesem Sinne auf Herschel einzuwirken; doch ohne Erfolg. Der Vorsteher der Altonaer Gemeinde in Hamburg Marcus Sam. Heckscher hatte gegen die Verordnung verstossen, dass alle Korrespondenzen über die Angelegenheit Eyb.’s nach auswärts unterbleiben sollten, indem er in einem Briefe an seinen Bruder in Braunschweig Zweifel an der Gerechtigkeit der Sache Eyb.7s geäussert, obwohl er diesem bisher Stange gehalten hatte. Dieser Brief wurde von den Eyb.dauern erbrochen und Heckscher abgesetzt, gemisshandelt und mit Ausweisung bedroht, worauf er sich an den König wandte und das Treiben seiner Gegner rückhaltlos aufdeckte. Der Gemeindekassierer Leon Mos. Goldschmidt weigerte sich zur selben Zeit Mos. Alirons Unterschrift auf den Assignationen für Unterstützungsbedürftige anzuerkennen. Am 13. Sept. erklärte er in der Neustädter Synagoge die Aeltesten Mos. Ahrons und Lazarus für abgesetzt und sich selbst in der Altstädter zum Vorsteher, und Lefmann Sams. Hertz rief aus: ״Es lebe unser neuer Parnes Lion Mos. Goldschmidt Ia Ein Trupp zog vor das Haus des Vorstehers Lazarus1), bezeiclmete ihn als abgesetzt und Goldschmidt statt seiner gewählt, obwohl er vor anderthalb Jahren bankrott geworden und schon aus diesem Grunde nach den Satzungen nie hätte Vorsteher werden können. Schon gegen seine Wahl zum Kassierer hatte sich heftiger Widerspruch erhoben. Heckscher2 * *) wurde gleichfalls (14. Sept.) abgesetzt; er sollte sich vor 15 Delegierten, die durch das Los zu bestimmen seien, rechtfertigen. Da aber diese Kommission fast ausschliesslieh aus Mitgliedern jenes Komplotts gebildet wurde‘5), weigerte er sich zu erscheinen. Als er am 19. Abbitte leisten wollte, wurde er von Eyb. zweimal abgewiesen. Am 14. Sept. wurden Mos. Ahron, 67 Jahre alt, seit 28 Jahren Aeltester, und Levin Jac. Lazarus, 46 Jahre alt, seit 14 Jahren im Amte und tags darauf sämtliche Vorsteher und Beisitzer vor den Hamburger Prätor geladen und alles kassiert, was sie gegen einander vorgenommen haben. Bei dieser Vorladung kommt es zu heftigen Auftritten, besonders seitens Elias Oppenheimers, des Führers der Eyb.-Partei. Es bleiben Mos. Ahron, Levi Jac. Lazarus und Levi Sams. Hertz die ״Judenalten“ und Leon Mos. Goldschmidt der Kassierer der Hamburger Gemeinde. Gleichzeitig wird in den Bethäusern und Gassen zur Ruhe ermahnt und vor jedem Komplott gewarnt. Am 24. Sept. tritt die Hamb. Behörde für Heckscher ein; seine Absetzung wird annulliert. Schon 3 Tage später lädt der Prätor vor: die Aeltesten der Alt. Gern, in Hamb. Gottsch. Levi, Elia Oppenheimer ב) Gegen Levin Lazarus, ״einen gewissen Betteljucleu und Falsarium“, prozessieren am 10. August 1732 die Aeltesten (Seligen. Berend Salomon und Nathan Benedix). 2) Nach einem Bericht wurde H. von Eyb. in einer Versammlung der Aeltesten am 11. Aug. attackiert. s) Einer, der nicht vom Komplott war. verlässt die Versammlung, ein anderer kitzelt sich zum Erbrechen, um einen Vorwand zum Weggehen zu haben.