Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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96 OE. Jonathan mir nicht die obige Condition einräumt, ich ihn für einen Anhänger der Sabbathai Zevischen Secte fernerhin halten werde1). Hiermit war der eigentliche Kampf eröffnet. Noch an demselben Tage beschlossen die Ältesten der Altonaer Gemeinde, ohne die satzungsgemässe Hinzuziehung der Hamburger und Wandsbeker Vor- Standsmitglieder, des E. Herschel Haus und Synagoge sei bis auf weiteres zu meiden. Der Beschluss wurde am folgenden Tage in der Altonaer Synagoge proklamiert und den Gemeindemitgliedern Haus für Haus mitgeteilt. Herschel blieb die Antwort nicht schuldig. Er erklärte in seiner Synagoge. Eyb. verfalle in den Bann, welcher in Altona, Frankf. a. M., Frankf. a. 0., Amsterdam u. s. w. längst über die Anhänger Sabb., Tsebis verhängt worden sei2 3). Am 11. Febr. trat auf Veranlassung der Dreigemeinden in der Altonaer Gemeindestube in Hamburg eine Kommission zusammen, bestehend aus den Altonaer Mitgliedern Gottsch. Levi, Elias Oppenheimer und Jac. Meyer, ferner dem Hamburger Levin Samson Hertz und dem Wandsbeker Wolf Jos. Friedburg. Vor dieser Kommission erklärte Levi jun., er habe das gesamte Material dem E. Herschel ausgeliefert. Die drei Altonaer begaben sich denn tags darauf nach Altona, um mit Herschel zu verhandeln. Dieser wies die Amulette vor, weigerte sich aber, sie herauszugeben. Und als er eine nochmalige Aufforderung der Vorsteher, das Mamules’sche Amulett herauszugeben, zurückgewiesen hatte, wurde der Gemeinde, sogar seinem Setzer, bei Strafe des Bannes sein Umgang verboten. Auch durfte niemand bei ihm etwas drucken lassen. Hierauf wandte sich Herschel an die OE. Deutschlands. [Grätz nennt S. 362: Arje Lob Heschels in Amsterd., Herschels Schwager, ferner Sam. Heilmanna) in Metz und Joschua Falk in Frkf. a. M.] Von seinem Brief an Josua Falk und die UE. Mos. Eapp und Joel Engers in Frankf. a. M. kamen ein paar Abschriften an Is. Wallach und Wolf Abr. von Halle in Hamburg, und daraufhin wurde Herschel, obwohl er unmittelbar unter dem Schutz des Königs von Dänemark stand, von dein Vorstand angewiesen, binnen 6 Monaten die Dreigemeinden zu ver- נ) Eyb.’s Jünger erklärten, wenn ihr Meister an Sabb. Tsebi glaube, so wollten sie es auch thun (Emden, Hitabkut 21a). Einer ging so weit. Eyb.’s Bild in seinen Pentateuch neben die 10 Gebote zu legen (Ders., Meg. sefer 208). 2) Er kehrt auch gegen den Vorstand den Bann, den dieser gegen ihn gerichtet. Daraufhin wird ihm am 7. Febr. der Befehl zugestellt, binnen 6 Monaten die Gemeinde zu verlassen (Wagenaar). 3) Heilm. u. Eyb. waren schon in ihrer Jugend in Prag verfeindet und begegneten sich gegensätzlich in einer Ritualfrage. Heilm. wurde auch von Hirschei Levin, dem Neffen Jac. Emden’s gegen Eyb. aufzutreten angespornt. — Jos. Falk fühlte sich durch Eyb.’s Einkehr bei seinem Gegner, dem Vorsteher der Frankf. Gemeinde Mos. Rapp, verletzt, mehr noch dadurch, dass Eyb. sein Werk Pene Jehoschua, welches er ihm zur Begutachtung unterbreitet hatte mit der Bitte, die beanstandeten Stellen durch Einbiegen des Blattes zu kennzeichnen, durchweg eingebogen zurücksandte. Möglich, dass der Uebermittler sich diesen traurigen Scherz erlaubt hat (Auerbach, Jud. i. Haiberst. 94. 125).