Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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95 kopieren, welches seine Schwester Schöntge, des Mich. Levi Frau, in ihrer Schwangerschaft von Eyb. empfangen hatte. Die hebräischen ]Rubriken in den Geschäftsbüchern hatten ihn in seinem Buchhalter einen Kalligraphen erkennen lassen. Levi konnte nichts willkommener sein. Eine Abschrift des Amuletts liess er wiederum dem R. Herscliel zustellen, der sich inzwischen der Sache mit Eifer angenommen hatte. Zur selben Zeit hatte Eyb. einem Altonaer Sal. Storni ein Amulett gegen Schwindsucht gegeben mit dem Bemerken, man solle es ihm beim Verscheiden an die Stirn binden, vor der Bestattung aber abnehmen und jenem Gelehrten Levi einhändigen. Diesem hatte Eyb. selbst erklärt, das Amulett sei so eingerichtet, dass der Verstorbene ihm im Traume erscheinen und sagen müsse, um welcher Sünde willen so viele Kindbetterinnen stürben. Das Amulett war aber so gehalten, dass man es auf Sabb. Tsebi, aber auch anders deuten konnte. Unser Levi entnahm daraus die Absicht Eyb.’s, falls man daraufhin gegen ihn vergehen werde, die Gegner mit Leichtigkeit widerlegen zu können. Er nahm eine Abschrift, zeigte sie aber niemandem. Inzwischen hatte sich das Gerücht von Eyb.’s Sabbatianismus immer weiter verbreitet. Eyb. lieferte zwar zu dem Amulett, welches Levi im Aufträge seines Chefs kopiert hatte, eine Erklärung. Dieselbe war aber ebenso dunkel wie der Text gehalten und wurde übrigens von Eyb. sogleich zurückgefordert. Dieser hatte indessen durch einen seiner Anverwandten, Jos. Marcus Cohen, mit Herschel, der ihn übrigens bei seinem Amtsantritt freundlich begrüsst und den er selbst bei jeder Predigt durch ehrenvolle Erwähnung ausgezeichnet hatte1), zu unterhandeln versucht. Herscliel erklärte aber, es handle sich hier nicht um eine Geld-, sondern eine ]Religionssache. Wenn Eyb. ihm nur einige kleine Amulette aus seiner Sammlung nebst Deutung schicken wolle, so würde er sie ihm umgehend wieder zustellen ״und vor der ganzen Welt auf das submisseste declariren, dass OR. Jonathan ein honette Homme und er seine gegen ihn gehabte üble Gedanken bereuen wollte“'). Daraufhin liess ein Altonaer, Mos. Julius, Herschel erklären, er werde ihn bis aufs Blut verfolgen. Herschel ging nun einen Schritt weiter. In seiner Privatsynagoge erklärte er [Grätz 361: 9. Schebat] jenem Cohen, welcher zwischen ihm und Eyb. hatte vermitteln wollen: ״So gut als Ihr es von Gottes wegen gethan habt, als Vermittler den Frieden zu suchen, 30 thue ich es hiermit ebenfalls von Gotteswegen und deelarire hiermit: Wenn ג) Den Tag vor Neujahr 5510 hatte sich Eybesch. durch einen Verwandten seiner Frau, seinen Famulus Leb Präger, später Rabb. in Grätz (Posen), Jac. Emden empfehlen und nach seinem Befinden erkundigen lassen, und dieser sandte ihm als Geschenk sein ״Gebetbuch“ mit der Bitte um sein Urteil [vgl. Wagenaar, Jac. Hirscheis (Emdens) Leben u. Schriften, Anist. 1868 S. 13 u. Pascheles’ Sippurim IV, Prag 1856 S. 275]. '2) Am 2. Febr. hat H., vor eine Kommission des Vorstandes geladen, über die Amulette, was ihm bekannt war, ausgesagt. Einer zweiten Vorladung hatte er, von seinen Freunden vor dem Anhang Eyb.’s gewarnt, nicht Folge geleistet (Wagenaar).