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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 94

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 94 (sequence 97)
Language
German
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94 er, der Eintritt in den neuen Wirkungskreis nehme seine ganze Arbeitszeit in Anspruch. Aber auch spätere Erinnerungen blieben wirkungslos. Nun batte jener Kothfels von der Frankfurter Messe einen Schlüssel zu dem inkriminierten Amulett mitgebracht, den Mos. Kapp durch Vergleichung mehrerer von Eyb. in Frankf. und Mannheim ausgeteilten Amulette selbst gefunden hatte, nachdem die Deutung dem als Kabbalist bekannten Wahrendorfer OK. K. Samuel Essingen nicht geglückt war. In vielen der Amulette fand sich der Name Sabb. Tsebi’s. Dadurch veranlasst, sammelte der Bruder jenes Gelehrten Levi, Jos. Sim. Levi jun., auch Jos. Präger genannt1), die von Eyb. vielen Frauen in Hamb, und Altona gegen das damals heftig grassierende Kindbettfieber verschriebenen Amulette. Eine dieser Frauen war gestorben, und Levi liess sich nun von deren Manne, einem gewissen Dav. Levin Mamules, das Amulett, welches ihm nun doch nichts mehr nütze, zeigen. Er fand mit Hilfe jenes Schlüssels in der That den fatalen Namen darin2). Diese Entdeckung teilte er sogleich, es war am Sukkotfeste, seinem Bruder mit; doch bat ihn dieser, davon weiter keinen Gebrauch zu machen. Eyb. habe nämlich, wie er von ihm selbst erfahren, da ja kabbalistische Dinge nicht für jedermanns Ohren sind, die Erklärung des Amuletts aus Frankfurt dem dortigen OK. mitgeteilt, und man werde bald erfahren, wie dem Kapp sein Handwerk gelegt sei. Da man aber nichts davon hörte und der Sabbatianismus durch den Bann vom 7. Februar 1725 in den Dreigemeinden streng verpönt war, übergab Levi im Nov. Amulett und Schlüssel dem Abr. Heilbutt in Altona, der es seinem Schwiegervater Ephraim Sam. Heckscher, dem bedeutendsten der Unterrabbiner, der auch interimistisch das Oberrabbinat verwaltet hatte, übermitteln sollte. Heilbutt zeigte aber das Amulett ohne den Schlüssel dem K. Jac. Herschel — so heisst (s. ob.) Jacob Emden (Jabets) in den Akten —, und der wollte sogleich, da die Kopie in jüdisch-deutschen Lettern leicht verstümmelt sein konnte, das hebräisch geschriebene Original sehen. Levi gab es nach einigem Sträuben unter der Bedingung aus Händen, dass es ihm bald wieder zurückgeliefert werde. Dessen weigerte sich aber Herschel später. Im Januar 51 bat Levin b. [Vorst.] Gottschalk Levin den genannten Levi, der bei ihm als Buchhalter in Stellung war, ein Amulett3) zu ג) S. über ihn Hamb. Korresp. 1767, Nr. 113 und Hamb. Schriftst.-Lex. Er verf. ״Oden und Cantate, da Seine Kgl. Majest. zu Dänemark, Norwegen etc. Christian VII. die unschätzbare Kgle Gnade den allergetreuesten Erbunterthanen, den Juden in Altona hochdeutscher Nation, huldreichst angedeihen liess, mit dero höchsten Besuch ihre Synagoge zu beehren, von dem Cantor der Gemeinde abgesungen etc. (hebr. u. deutsch). Hamburg bei Piscator 1767 fol.“. 2) Es beginnt: ״Ach Gott! Der Herr Israels, welcher regieret von wegen seines Knechtes Sabb. Tsebi“ u. s. w. (Ueber Sabbatianer in Altona s. u. a. Zunz, Ir ha־tsedeq 158.) 3) Dieses Amulett findet sich in Emden’s Schebirat luchot ha;awen fin. und Sefat’emet1 fin. Es ist das von Anton, der übrigens, nach Emdens Megillat sefer, später mit anvertrauten Geldern durchgegangen ist, für den König übersetzte. Die auch von Anton wiederholte Angabe, Emdens Frau habe schon vor Eyb.’s Eintreffen geäussert: ״Mein Mann hat das Messer für ihn bereit“, bezeichnet dieser (Meg. sef. 176) als Erfindung.

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