Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Geschäft anvertraut hatte, brachten ihn um sein ganzes Vermögen. So sah er sich genötigt ein Amt anzunehmen. Mit neunzehn Jahren wurde ihm die Leitung der Talmudschule in Minsk übertragen. Seine Einkünfte erfuhren durch die Berufung in das Oberrabbinat von Rakow wesentliche Besserung. Von weither schickte man ihm Schüler, es war die glücklichste Periode in seinem rabbinischen Wirken. Nach fünf Jahren ging er nach Wilkomir bei Wilna. Aus der ganzen Gegend strömten ihm Jünger zu. Ihm dankt diese Gemeinde treffliche Statuten, u. a. auch eine Treppe für die Männersynagoge, welche nach ihm benannt wurde. 1757 zum Bezirksrabbiner von Ober-Minsk bestellt, wählte er Smilowitz zu seiner Residenz. Auch hier sorgte er für Gemeindestatuten und mit besonderem Eifer für die Auslöung Gefangener. Auf seinen Amtsreisen begleitete ihn stets ein Reiter, welcher aus der Umgegend täglich ein Minjan, die zum Gemeindegebet erforderliche Zehnzahl erwachsener Israeliten, zusammenholte. In Pinsk, wo er von 1763 bis 1773 das ORabbinat verwaltete, feierte er grosse Erfolge als Prediger. In einem dreijährigen Turnus besuchte er regelmässig die Gemeinden seines Bezirkes. 1771 kam er nach Berlin, um sein Werk Thorath Jequthi’el, welches er in Pinsk verfasst hatte, drucken zu lassen, da es damals in Polen und Litauen an hebräischen Druckereien mangelte. Hier in Berlin predigt er gelegentlich in der Chebra qadischa mit solchem Beifall, dass man annahm, das damals vakante Rabbinat werde keinem anderen, als ihm zufallen. Diese Aussicht bestätigt sich nicht. Raf. wird jedoch bald darauf nach Nicolsburg und von da nach Posen berufen. Hier verheiratet sich seine Tochter mit dem Leiter der Talmudschule, Tsebi Hirsch, der später sein Nachfolger wurde. Nach dreijähriger Amtstätigkeit folgt er R. Chod. Tamm. 1776 einem Rufe der Dreigemeinden. An ihrer Spitze steht er 23 Jahre. (S. auch Landshut, Toledoth ansche schein 81. 87.) Am 1. Tarn. 559 (1799) legt er sein Amt nieder, da ihm die Bannbefugnis genommen werden soll. Eine Deputation, aus je einem Vertreter der drei Gemeinden bestehend, sucht ihn umzustimmen. Doch er bleibt bei seinem Vorsatz. Er habe gegen jede Gemeinde besondere Klagen. Als Nachfolger kommen in Frage: Chajjim Hirsch [Berlin] aus Mainz, Hirsch aus Glogau, Salman Cohen 1j Nack d. Hamb. Sfc.-Arch. bat er d. 1. Okt. 1793 ״wegen seiner Einkiinfte an ausserordentlicher Schatzung“ nach der Verordnung vom 12. Juni 70 16 Rthlr. 32 3 dän. Cour, gezahlt. In einer Eingabe an den Alton. OPräs. (13. V. 77) beruft er sich auf sein Recht, den Bann zu verhängen. — Ueber seine Freundschaft mit Mord. Jafe s. Eisenstadt־Wiener 34, seinen Schüler Isr. Heilpern das. 23, s. Schwiegersohn Lazarus Riesser das. 125 u. Zunz z. Gesch. 243 (daselbst auch andere Hamb.-Alton. Büchersammler). — Er approbierte Joel Sirks1 * * * 5 RG-A. Beth chadasch, Maimuni’s Ets chajjim, Livorno 1783.