Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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84 in der Synagoge proklamiert, es sei nicht im Sinne des neuen OR.’s und verursache unnütze Kosten, wenn ihm viele entgegenführen. Es werden zur Einholung Deputierte gewählt. Die Küster der Dreigemeinden sollten nach Bahrdorf fahren und, sobald der OR. dort angelangt, einen besonderen Boten an die Deputierten schicken. Die Küster kommen am 8. dort an und erhalten am 12. durch zwei Boten von den Deputierten die Weisung, sich nach Ascheberg zu wenden und von dort aus an den OR. eine Stafette zu schicken, er möge Postpferde nehmen, um rascher vorwärts zu kommen. Um 3 Uhr nachts trifft dieser mit den Seinen ein. Nun reist man nach Bahrdorf und bleibt dort bis zum Morgen. Die Deputierten werden durch einen Boten verständigt und kommen bis Steinbeck entgegen. Es waren aus Altona: die Vorst. Jechiel Wallich, Chajjim Bergei, Wolf Popert, Leb Cohen, aus Hamburg: Chajjim Cohen und Chaj. b. Salman, aus Wandsbek: Israel und Herz Friedburg. Nach einem bescheidenen Imbiss, den die Deputation vorbereitet hatte, ging es flugs weiter nach Hamburg, von da nach Altona, wo man im Hause des OR.’s abstieg und sämtliche Vorsteher zum Empfang versammelt waren. Dann zog man in die Synagoge, in der nur geladenes Publikum zugegen war. Soldaten waren zur Aufrechthaltung der Ordnung an den Thüren postiert. Gegen Abend fand in der Gemeinestube ein Festessen statt. Am Sabbat wurde dem OR. nach der Predigt ein silberner Aufsatz mit Konfekt überreicht. Berl. stirbt den 18. Ad. 1771. Auch an seinem Grabe spricht zuerst R. Jes. Jaffe. Sein Testament s. Dibre haj. Vgl. auch Jew. Encycl. Als Nachfolger Berl.’s kandidieren: Hirsch-Berlin, Raph. [Cohen] Pinsk-Posen, Nath. Mas-Frankfurt a. M., Abr.-Brisk, Meir b. Jabets- Konstantin, Tebele Scheier-Mainz, Dav. Disbek-Schwarzenwald, Sam.-Wilna. Gewählt wird Raphael Cohen-Posen. Abraham, Vorst, der Gemeinde in Kopenhagen, verschafft ihm das Bürgerrecht (Dibre 78). Cohen’s Vater Jeq. Süsskind war OR. von Livland. Schon als Kind (am 24. Cheschw. 1722 geb.) zeigte Raph. ausserordentliche Fähigkeiten. Sein Lehrer war bis zum zehnten Jahre Abr. Melammed. Eine schwere Erkrankung erheischte von da an grössere Rücksichtnahme auf seine zarte Gesundheit. So wurde denn der Unterricht im Elternhause fortgesetzt. Mit zwölf Jahren kam Raf. zu seinem Verwandten Arje Leb, dem Verfasser des Werkes Scha’agath arje, welcher damals die Talmudschule in Minsk leitete. Nach Vollendung des dreizehnten Lebensjahres kehrte R. in das Haus seiner Eltern zurück. Hier lernte er seine spätere Gattin Tarnar kennen. Die Sprossen aus diesem Ehebund sollte den glücklichen Gatten bis ins vierte Geschlecht zu sehen vergönnt sein. In den ersten sechs Jahren der Ehe widmete sich Raf. ausschliesslich dem Studium. Dienstboten, denen er sein