Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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81 schütz und Emden ausbrach, zu jedem Laubhüttenfeste einen Ethrog (Paradiesapfel). Als ihm ein Sohn geboren wird, dem er seinem Vater zu Ehren dessen Namen Tsebi Hirsch giebt, veranstaltet er ein grosses Gastmahl, zu welchem alle Honoratioren der Gemeinde geladen werden. Von dem Gelde, welches ihm aus London geschickt wird, unterhält er u. a. in seinem Hause einen Verein, der sich das Studium der Mischnah zur Aufgabe machte. Eine Tochter wird ihm geboren; er nennt sie nach dem Feste, an dem sie zur Welt gekommen, Purim. Bei der Geburt einer dritten Tochter stirbt seine Frau Rachel Er selbst nennt sie ein Biederweib. Nur war sie manchmal ein wenig genau. So musste er den Lehrer seiner Kinder in Quartier geben, weil sie ihn nicht im Hause duldete. Auch mit seinem Hauskauf (1738) war sie nicht einverstanden. Besonders mit den Dienstboten hatte sie oft gezankt. Vor der Beisetzung seiner Frau (RCh. Tamm. 499 [1739]) kam es zum ersten Male zu einem Konflikt zwischen Emden und dem Gemeindevorstand. Bei der Beerdigung einer Tochter hatte man von ihm, wie von jedem Angesessenen, nur die Kosten der Beerdigung verlangt. Er zahlte ja auch die Fleischabgabe, welche nur von Gemeindemitgliedern erhoben wurde. Nun fordert man ihm, wie einem Fremden, ein Unterpfand ab, welches er nach der Bestattung auslösen sollte. Auf seinen Protest wird es ihm aber ohne Lösegeld ausgehändigt. Nach Rachels Tode schickt er auch den zweiten Sohn nach dem Osten, erst nach Glogau, dann weiter nach Polen, da hier diese ״Oede“, wie er sich nach einem Bilde des Propheten Hosea (XIII, 5) ausdrückt, doch kein Feld für seine Kinder sei, während Polen und Litauen nur Gelehrte und Krösusse kenne. Nach drei viertel Jahren heiratet Emden wieder. Seine zweite Frau stirbt, nachdem sie ihm ein Zwillingspaar geschenkt, nach kurzer Ehe. Mitte Kislev 504 (1743) vermählt er sich von neuem, und zwar mit einer Nichte. Schon nach dem Hinscheiden seiner ersten Frau hatte man ihm diese Verbindung empfohlen. Doch trug man damals in Deutschland Bedenken, Polinnen zu heiraten, weil sie sich schwer in die neuen Verhältnisse zu schicken wüssten. Zu seiner Freude erkannte Emden aber sehr bald, welch’ einen Schatz er in seiner Frau erworben hatte. Denn er selbst, das stellte sich immer klarer heraus, verstand nichts vom Geschäft. Er hatte sich zunächst Galanteriewaren aus London kommen lassen. Als dieser Handel nicht gehen wollte, begann er eine Druckerei, zu der ihm Mose Emden zweimal vom Könige das Privilegium verschaffte. Derselbe Gönner richtete ihm auch ein Thee- und Pfeffergeschäft ein, bis er einsah, dass jeder derartige Versuch an Emdens Mangel an geschäftlicher Gewandtheit scheitern musste 6