Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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80 einem zuverlässigen Bekannten in Compagnie betrieb. Mit schwerem Herzen sehen ihn die Emdener ziehen. Sie haben ihm lange Zeit keinen Nachfolger bestellt. So kommt denn der Vielgewanderte endlich nach Altona. Seine Frau war zur Hochzeit des ältesten Sohnes gereist, der mit 16 Jahren zum Grossvater nach Brot gekommen war. Kurz vor seiner Uebersiedelung hatte Emden die Altonaer rechtzeitig vor Schwindlern gewarnt, welche mit gefälschtem Beglaubigungsschreiben für die Gemeinde Minsk sammelten. In Altona wird er von den Angesehensten freundlich begriisst. Er schliesst sich dem gelehrten Mose Chagis an, dem mutigen Vorkämpfer gegen den Irrlehrer Chajon. Zwischenträger eien stören später das Verhältnis. Emdens körperliche Schwäche erschwert ihm den Besuch der Altonaer Synagoge. So richtet er sich denn, wie es Chagis gethan, eine Betstube in seinem Hause ein. Doch aus Ranküne verbot ihm einer der Vorsteher in den Monaten, in denen er des Amtes waltete, diese Zusammenkünfte. Es war Joel Schwa, jener Freund seines Vaters, der ihm seine Einkehr in das Haus des Berend Cohen nicht verzeihen konnte. Dadurch, so meint nun Emden, kam ein schweres Verhängnis über die Gemeinde: ein Totschlag in der Synagoge. Es hatte sich ein fremder Taugenichts im Synagogenhofe eine Pfeife angesteckt und blies den Rauch in die Synagoge hinein. Ein gewisser Efraim, ein trefflicher, frommer Mann, wollte dem Unfug wehren und schlug dem Kerl, als er auf seine Ermahnung nicht hören wollte, die Pfeife aus dem Mund, worauf jener das Messer zog und Efraim erstach. Die Unthat hat keine Sühne gefunden, da das Gericht aus Mangel an stichhaltigen Zeugenaussagen dem Mörder einen Reinigungseid zuschob und dieser ihn leistete. Wovon lebte nun Emden in Altona? Wie er selbst berichtet, gaben sich damals die deutschen Rabbiner viel mit Ehestiftungen ab. Er selbst bekennt jedoch für seine Person, weder die dazu erforderlichen Geschäftskenntnisse, noch die Zeit zu dem ausgebreiteten Briefwechsel zu besitzen. Er handelt mit Edelsteinen, mit Waren, die ihm ein Freund aus England schickt, leiht armen Leuten Geld auf Pfänder, ein Geschäft, welches seine Frau schon vorher mit gutem Erfolg auf eigene Faust betrieben hatte. Mit Vorliebe Hess er sich von kleinen Leuten zum Beschneiden wählen, wobei er sich’s etwas kosten liess. Auch bekam er von London gelegentlich Geld zur Verteilung an Bedürftige. So war er bei dem Gros der Gemeinde überaus beliebt und, bis auf jenen einen Vorsteher, auch mit den Angesehenen und Reichen, selbst mit den einstigen Gegnern seines Vaters, befreundet. Die Gemeinde sandte ihm sogar, als besondere Auszeichnung, bis zu dem verhängnisvollen Jahre 1751, in dem der Kampf zwischen Eyben-