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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 79

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 79 (sequence 82)
Language
German
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79 Wunsch, Wien zu sehen, obwohl er einmal ganz dicht dabei war. Von den Wienern hat er auch gegen seinen Grundsatz ein Geldgeschenk angenommen. Er brauchte das Geld zur Uebersiedekmg nach Deutschland. Zunächst reist er in Geschäften nach Amsterdam. Er kommt nach Dresden und wird zu allgemeinem Staunen von dem sonst so stolzen Jona Dresden freundlich aufgenommen. In Hannover trifft er den Prager OR., welcher zur Vermählung einer Enkelin mit dem Sohne des Hildesheimer Rabbiners Elia Oppenheim dorthin gereist war. Ohne Aufenthalt kommt Emden nun nach Amsterdam. Seine Waren waren entwertet, seine Wolle und Ziegenhaare ein Raub der Motten geworden. Die Amsterdamer Juden hatten sich einem anderen Handel zugewandt. Ein neues Diamantenland war erschlossen worden. Portugiesische Seeleute brachten prächtige Steine nach Amsterdam und verkauften sie zunächst den dortigen Juden, in deren Händen vornehmlich das Juweliergeschäft lag. Vor allem kam das Haus des Rüben Norden auf diese Weise zu unermesslichem Reichtum. Auch andere Amsterdamer Juden haben hierbei viel Geld verdient. Von guten Freunden trefflich bewirtet, hat Emden Müsse, diese Vorgänge in der Nähe zu beobachten. Rührend ist es, zu lesen, wie er nun daran geht, sich europäische Bildung zu erwerben. Ganz im Geheimen lernt er, der Dreissigjährige, von einem Schulkinde Lesen und Schreiben, und mit Feuereifer wirft er sich nun auf alle nur möglichen Wissensgebiete, vor allem auf die medizinische Lektüre. Hierzu bewog ihn schon sein fast beständig leidender Zustand. Zum Getränk hatte er aus Gesundheitsrücksichten bisher Thee gewählt. Nun entdeckte er mit einem Mal, dass sich dadurch sein Blut verwässert hat, und so versucht er denn verschiedene Kuren. Nach langem Aufenthalt in Amsterdam geht es nach Altona. Doch bleibt er unterwegs auf Zureden der Emdener vorläufig an dem Wohnort seiner Jugendliebe. Auch Frau und Kinder, ein Sohn von 12, einer von 6 Jahren und ein Töchterchen, reisen Anfang Sommer 1729 dahin. Mit ihm kommt Segen in die Stadt. Die Süsswasserfische, welche seit langem ausgeblieben waren, kehren wieder. Die Geschäfte werden besser. Emden erfreut sich grosser Beliebtheit als Prediger. Als solchen bewundern ihn sogar Leute, welche einst die Prager hohe Schule besucht hatten. Die Behörde schenkte ihm besonderes Vertrauen. Doch bekommt ihm und den Seinen, besonders seiner Frau, welche wegen eines Brustleidens einen Leydener Professor konsultieren musste, das Klima nicht. Auch verleidet ihm die Ueberhebung eines ehrsüchtigen Reichen sein selbstloses Wirken. Er nahm für seine Thätigkeit nichts bezahlt, sondern ernährte sich von einem Geschäft, welches er mit

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