Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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- Emden 1× ep/1044505
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78 davon Abstand. Er erzählt uns ferner von seinem Aufenthalt in Prag, wie der dortige OR ihn um seines Vaters und seiner selbst willen öffentlich geehrt, auch wie er gleich Josef, dem Keuschen, gelegentlich der Versuchung widerstanden habe, woraus er die gute Geartung seiner Kinder herleiten will. Von Prag nach Brünn fuhr man per Landkutsche. Wer zuerst sich meldete, bekam einen Platz auf dem Vordersitz. Emden und einige Glaubensgenossen hatten sich bereits dieses Vorrecht erworben, als ein Geistlicher und ein italienischer Kaufmann es ihnen ohne weiteres streitig machten. Die Juden mussten hinten sitzen, man störte sie in ihrem Gebete, höhnte sie bei jeder Gelegenheit, und bei schwierigem Wege mussten sie absteigen. Doch die Vergeltung sollte nicht ausbleiben. In einem Engpass hatte man die Juden kaum hinuntergewiesen, als der Wagen umfiel und den italienischen Kaufmann derart zurichtete, dass er sein letztes Stündlein nahen fühlte und den Geistlichen bitten musste, bis dahin bei ihm zu bleiben. So war man die beiden Quälgeister losgeworden. Von Brünn aus reiste man im Schlitten. Durch Ueberladung mit Passagieren und die bittere Kälte wurde die Reise zu einer Tortur, deren Folgen Emden noch lange zu schaffen machten. Die ganze an Misserfolgen so überreiche Reise hatte ihm nur einen Gewinn gebracht. Er hatte in Amsterdam Geschäftsver־ bindungen angeknüpft. Man sandte ihm von dort Manufakturen, und er lieferte dafür Ziegenhaare und Wolle, welche die Broder Kaufleute aus Ungarn importierten. Auch hierbei begegnen ihm auf Schritt und Tritt Wunder. Denn bei allem Ungeschick in kaufmännischen Dingen, das ihm zahllose Verlegenheiten bereitet, erscheint ihm stets im rechten Moment ein Retter in der Not. In Pressburg, wohin ihn eine seiner geschäftlichen Verwickelungen führt, findet man während seines Aufenthaltes bei einem Schüler Eybenschützens eine Schrift voller Gotteslästerungen. Obwohl jede Unterschrift fehlt, wird sie nach der Handschrift für ein Manuskript des Meisters gehalten. Es ist nicht der kleinste Vorzug der biederen, offenen Persönlichkeit unseres Helden, dass er auch ohne falsche Bescheidenheit von seinen Verdiensten redet. Sein Ruf geht so weit, dass der mährische OR. Gabriel Berusch Eskeles ihm ein Rabbinat verleihen will, und der berühmte Samson Wertheimer, ohne ihn zu kennen, ihn reich zu machen sich vornimmt. Doch Wertheimer stirbt bald darauf, und das Familiantentum in Mähren, die drückenden Massregeln der Regierung, geben ihm in Rücksicht auf die Zukunft seiner Kinder den Vorsatz ein, nach seinem Geburtsort Altona zurückzukehren. Die Scheu vor dem Wiener Clerus, vor Zwischenfällen bei Prozessionen und deren Folgen, überwiegt auch seinen