Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2642950-2642966-2642968--1129-2644063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
77 hoffte nun unser Jacob Emden, an das Ziel seiner Wünsche zu gelangen. Ein Bruder des Mordechai Hamburger, der in Frankfurt lebte, ermunterte ihn überdies zur Reise nach London. Sturm auf See und heftiges Fieber erschweren die Ueberfahrt, und als er endlich dem reichen Indienfahrer den Schuldschein präsentiert, beteuert ihm dieser achselzuckend, er könne nicht darauf eingehen, sonst kämen auch die übrigen Gläubiger seiner Brüder, und sein schwer erworbenes Geld würde er dann sehr rasch wieder los sein. Er giebt ihm eine Guinee für die Heimreise. Kaum nach Amsterdam zurückgekehrt, verfällt der bitter Enttäuschte in ein Fieber, welches ihn für Monate aufs Krankenlager wirft. Und wenn wir nicht wüssten, mit welcher Ausführlichkeit der grosse Kant in seinem Brief- Wechsel gewisse Störungen seines leiblichen Seins behandelte, wir müssten staunen, wie anschaulich nun Jacob Emden seine Erlösung von einem — Bandwurm schildert. So geht der Sommer dahin. Und nun beschleunigt Emden seine Heimkehr. Nicht ohne Hindernisse gelangt er über Fürth nach Prag. In Prag erwarten ihn neue Drangsale. Er führte ja noch immer das Werk seines Vaters mit sich, und in Prag ”0hle höed״ [HiUel• Suhr• herrschte ein strenges Verbot aller talmudisch - rabbinischen Bücher. Aber hier war es nun das erste Mal, dass Emden seinen späteren Antipoden Eybeschiitz zu Gesicht bekam. Eybeschiitzens Verkehr mit katholischen Geistlichen hatten ihn bei den Juden in argen Verruf gebracht. Man munkelte die bösesten Dinge. Es hiess, seinen eigenen Schwiegervater, den Prager OR Isak Spira, den Schwiegersohn des Mordechai Cohen in Hamburg, habe er um Hab und Gut bringen wollen. Emden erzählt, wie man ihm den Vielverdächtigten durchs Fenster zeigte, und dass Eybeschütz ihm die Herausgabe seiner Bücher bei der Zensur zu erwirken versprochen habe, wenn er ihn besuchen würde. Emden nahm 1 il m