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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 76

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 76 (sequence 79)
Language
German
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76 welcher auf die beiden Sohne und den Schwiegersohn des verstorbenen Mose Libes Cohen, einst die Säule der Altonaer Ge־ meinde. lautete. Der Erlös sollte der Mutter und den jüngeren Geschwistern zugute kommen. Auf die Mutter überträgt Jacob nun auch den Anteil seiner Verehrung, welcher bisher auf den Vater entfallen war. Als sie stirbt, wird sie von ihm und den Geschwistern ״derart betrauert, dass sie ihnen im Traum erscheint und sie alle erkranken.“ Das Unternehmen, jenen Schuldschein an Ort und Stelle ein־ zulösen und das Werk des Vaters zu verkaufen, verstricken Jacob in eine schier endlose Kette von Missgeschicken. In Hamburg kehrt er, aus einer Rücksicht der Nützlichkeit bei dem einstigen Gegner seines Vaters, bei Berend Cohen ein, weil dieser damals in der Gemeinde allmächtige Mann auch seine Schuldner in der Gewalt hatte. Durch eine unglückselige Verknüpfung von Umständen kommt Emden jedoch um die ganze Schuld, aus die er obendrein seinen Angehörigen bereits 100 Thlr. vorgeschossen hatte. Ueberdies kommt ihm hier noch eine kostbare Uhr abhanden, und die Einkehr bei Berend Cohen zieht ihm vou einer seinem Vater befreundeten Seite eine unversöhnliche Feindschaft zu. Von Hamburg kommt er nach Hannover, ln dem Haus des angesehenen Hempel-Hannover zu Gaste, läuft er Gefahr, bei dem Bankerott seiner Wirte, welche zu grosse Vertrauensseligkeit um ihr ganzes Vermögen gebracht hatte, auch seine Habe einzubüssen. Seine flüchtigen Freunde hatten für ihn einem Diener 6 Thlr. hinterlassen, mit denen er seine Unterkunft in einer Herberge bestreiten konnte. Von Hannover wandte sich der Unglückliche nach Frankfurt a. M., die Krone der damals wie selten blühenden deutschen Gemeinden. Da brach der grosse Brand aus, welcher die grosse Frankfurter Gemeinde mit einem Schlage obdachlos machte. Zu stolz, nach dem Brauch anderer Gelehrter, den Reichen, das Werk, welches er an den Mann bringen wollte, einzusenden, um so ein Gnadengeschenk einzuheimsen, wurde er von seiner Ware nur wenig los. Doch hier in Frankfurt eröffnet sich dem Wegesmüden eine neue Aussicht. Ein Bruder seiner Schuldner in Hamburg, Mordecbai Hamburger in London, der Begründer der Hambro-Synagogue (s. Dembitzer I 94k u. Jew. Chronicle 6. Sept. 1901 p. 22) war als reicher Mann aus Indien heimgekehrt. Er hatte vor 10 Jahren sein Haus in grösster Dürftigkeit verlassen, um in dem Märchenlande Edelsteine zu suchen. Seine Hoffnungen waren nicht allein bei weitem übertroffen worden, er fand auch seine Familie gesund und wohlbehalten wieder, ja zu den 9 Kindern hatte sich unmittel־ bar nach seiner Abreise noch ein zehntes gesellt. Die Londoner Zeitungen wussten von diesem Glück gar viel zu berichten. Hier

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