Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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- Emden 1× ep/1044505
- Wrocław 1× ep/1002369
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75 stadt zu gewinnen. Ihm und seiner Familie erwies sie eine rührende Aufmerksamkeit. Von Emden ging es mitten durch manchen Soldatentrupp nicht ohne Behelligung nach Berlin. Hier? im Hause eines Oheims, beginnt Jacob seine erste litterarische Leistung, die Verteidigung des Vaters in einer wissenschaftlichen Fehde. Erst in Breslau, der nächsten Station auf dem Wege nach Polen, wohin der Vater als Rabbiner berufen worden, legt er ihm diesen ersten Versuch zur Prüfung vor. Mit einem Kuss lohnt der Vielgeprüfte dem Kinde die sinnige Ueberraschung. Voller Vaterstolz wendet er auf ihn das Schriftwort an: ״Auf die Lippen küsst man den, der treffenden Bescheid gibt.“ Von Breslau aus begleitet Jacob im Winter 1715 den Vater nach Hamburg, wo dieser in einer Streitsache als Schiedsrichter walten sollte. Unterwegs befällt ihn ein asthmatisches Leiden, dessen Ursache kein Arzt entdecken kann. Nach Breslau zurückgekehrt, heiratet er. Zu dem Schmerz, den ihm der Abschied von dem zärtlich geliebten, angebeteten Vater bereitet, da er nach der Sitte der Zeit in das Haus seines Schwiegervaters, des Rabbiners in Ungarisch-Brod Mordekhaj, eines Sohnes des berühmten Naftali Kohen, übersiedelt, gesellen sich bald neue Leiden. Die in Mähren damals herrschende Seuche zwingt ihn und die Seinen, mitten im Winter wochenlang im Freien zu kampieren, bis sie bei mitleidigen Bauern Aufnahme finden. Noch schmerzlicher berühren ihn die Ränke seines Schwiegervaters, der Unfriede im Hause. Er findet Trost und Vergessen in hingebender, oft seine Körperkräfte übersteigender Lehrthätigkeit. Da trifft ihn — drei Jahre sind ihnen so dahingegangen — die Nachricht vom Ableben des Vaters. Unverzüglich macht er sich auf den Weg nach dem teuren Grabe. In einem Walde lauern ihm Räuber auf. Er erreicht einen Wagen mit bewaffneten Kaufleuten und ist gerettet. In Lemberg, dem letzten Aufenthalt des Vaters, nach vielen Mühen angelangt, ehrt er den Unvergesslichen durch einen Denkstein, vor allem aber durch eine treffliche Gedenkrede. Die Lemberger erweisen ihm jede mögliche Auszeichnung und wollen ihn durchaus durch ein geistliches Amt an ihre Gemeinde fesseln. Jacob lockt auch die Billigkeit der Lebensmittel in Polen und die Leichtigkeit, die Kinder einst zu verheiraten, da hier selbst die Reichsten eine Ehre darein setzten, mit einem Gelehrten sich zu verschwägern. Allein seine Frau kann sich nicht entschliessen, so jung die Eltern zu verlassen. So tritt denn Jacob im nächsten Frühjahr in Begleitung eines treuen polnischen Dieners den Heimweg an. Aus dem Nachlass des Vaters nimmt er die vorhandenen Exemplare von dessen Rechtsgutachten mit, deren zweiter Teil damals noch nicht erschienen war, sowie einen Schuldschein,