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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 74

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 74 (sequence 77)
Language
German
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74 Wenn ein Portugiese ein Mitglied der Alton. Gemeinde beim OR. verklagt, so nimmt dieser die Klage unter der Bedingung an, dass, falls ein Alton. Gern.-Mitglied jemals gegen diesen Portugiesen zu klagen haben sollte, er das Rabbinat der Dreigemeinden als zuständig anerkennt. Als Zwangsmittel steht dem OR. der Bann und das Züchtigungsrecht zur Verfügung. Für die Umzugs- Spesen wird Eyb. mit 100 M. Banco entschädigt. Eyb.’s Gegner Jac. Emden hat uns bis zum Jahre 5526 (1766) seine Lebensschicksale in einer eigenen Schrift selbst geschildert. Diese Autobiographie (Megillat sefer, hrsg. von David Cahane, Warschau 1897) erinnert in mehr als einer Hinsicht an die Aufzeichnungen der Glückei Goldschmidt. Wie diese, bietet sie uns trotz aller Einschaltungen fernerliegenderer Stoffe und trotz des Mangels eines fortlaufenden Zusammenhanges ein ungemein fesselndes Kulturbild. Nächst Glückeis Memoiren liefert uns die Schrift die einzige Darstellung der Zustände im älteren jüdischen Hamburg, sie verdient deshalb an dieser Stelle ausführliche Behandlung. Mit Glückeis Werk teilt sie die hohe ethische Bedeutung einer Betrachtung des Menschenlebens aus dem Gesichtswinkel einer gottgewissen, wundergläubigen Seele. Emden wurde am Siv. 5457 (1697) als der Sohn des Rabbiners Chakham Tsebi und seiner Frau Sara, einer Tochter des R. Salman Mireles, in Altona geboren. Nach drei Töchtern der erste Sohn, wurde er von den Eltern ein wenig verzogen. Seine schwächliche Gesundheit schrieb der Vater selbst dem Umstande zu, dass er das Kind gar zu früh geistig angestrengt, eine Erfahrung, welche er in der Erziehung der späteren Söhne zu nützen wusste. Ausser unter allerlei Kinderkrankheiten hatte Jacob auch unter den Schlägen roher Lehrer arg zu leiden. Schon seine ersten Jahre standen unter dem Eindruck der Unbilden, welche dem Vater widerfuhren. Der Zwölfjährige fastet mit den Schwestern eine Woche lang um das Leben des infolge der Kränkungen Schwererkrankten. In dem strengen Winter 1710 übersiedelt die Familie nach Amsterdam. Mit knapper Not, unter unsäglicher Mühsal erreicht man das Ziel. Schon 4 Jahre später wird, durch allerhand Zwistigkeiten bis zur Unträglichkeit verleidet, der neue Wohnort aufgegeben. Der Vater reist nach London, Frau und Kinder schickt er vorläufig nach Emden. Hier fasst Jacob eine tiefe Neigung zu der Tochter des Löb Emden. Doch sein Vater willigt nicht in die Verbindung. Die Familie erschien ihm, dem damals fast völlig Besitzlosen, trotz allen Reichtums nicht gut genug für sein Kind. Als Jacob nach Jahren Emden wieder aufsucht, findet er den Gegenstand seiner Jugendliebe, inzwischen die Gattin eines anderen geworden, ihm noch in treuer Freundschaft verbunden. Diese Frau setzte alles daran, ihn für das Rabbinat ihrer Vater-

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