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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 71

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 71 (sequence 74)
Language
German
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71 Dreigemeinden geleitet hat, ist Jonathan Eybeschütz 1). 1690 in Krakau (oder Pinczow?) geboren, kommt er, als elfjähriger Knabe, mit seinem Vater nach Eibenschitz, wohin dieser als Rabbiner berufen worden war. Doch nach etwa einjährigem Aufenthalt stirbt Nathan Nate E., und die Gemeinde schickt den schon damals durch seine Begabung auffallenden Jonathan zu weiterer Ausbildung zu R. Meir b. Isak Eisenstadt in Prossnitz. Von hier wendet sich Eyb. nach Holleschau, wo er den Unterricht seines Verwandten R. Eliezer ha־lewi Oettinga geniesst. 1708 wird er RabbinatsStellvertreter zu Jungbunzlau. 1710 heiratet er Elkele, die Tochter des Prager OR’s Js. Spira, und zieht in dessen Haus. Die Jahre 1713 und 14 verlebt er als Gast bei dem Vater seiner Schwiegermutter, dem reichen Mordekhai Cohen in Hamburg, kehrt dann nach Prag zurück und wird hier 1728 Prediger und Zensor der hebräischen Bücher. 1741 wird Eyb. in das Metzer Rabbinat berufen und verliert bei seinem Wegzug von Prag sein ganzes Vermögen. Einen Ruf nach Fürth 1746 anzunehmen geneigt, weil ihm die Fürther Druckerei für die Drucklegung seiner Werke willkommen schien, wird er von den Metzern zur Innehaltung seines Kontraktes bestimmt. Als dieser 1750 abläuft, ist er bereits zum Rabbiner der Dreigemeinden gewählt. Berufungen nach Krakau 1751 und nach Nikolsburg schlägt er aus, da ihn trotz der Zänkereien mit Jac. Emden der neue Wirkungskreis vollauf befriedigte. Seinen Lebenszweck erblickte ei in der Lehrthätigkeit, und die auszuüben gab die grosse Zahl der Schüler, die sich um ihn sammelte, reiche Gelegenheit. Seine Werke s. bei C. N. Dembitzer, Klilath Jofi 125. Nicht nur als Beitrag zur Lebensgeschichte Eyb.’s, sondern gleichzeitig auch für die Kenntnis der Pflichten und Rechte des Rabbinerberufes in jenen Tagen von Bedeutung ist die Bestallung, in welcher die Hamburger und Altonaer Gemeinden ihm das Amt übertragen, und welche in zwei sich ergänzenden Abschriften, die eine im Besitz d. Ges. f. jüd. Volkskunde, die andere im Hamb. נ) De le Boi nennt etliche ״getaufte Juden“ (II 30, 54), auch Tychsen, Schüler Eyb.’s. Dalman (Saat auf Hoffnung 1890) will Eyb. zu einem Mittelpunkt getaufter Juden machen. — Eyb.’s phil.-kabb. Abhandlungen (Schern;01am) hat 1891 A. S. Weissberg herausgegeben. — Der Bäcker Pet. Ulr. Cravaack (St.-Arch, Nr. 5 Vol. 2d) verklagt 1764 die Aeltesten wegen der Verleumdung, er tue Speck in sein Brot. Er hat schon den 3. Konflikt mit den Juden. In der ״Wandsbeckischen Staats- und Gelehrte Zeitung” vom 2. Sept. findet sich eine tölpelhafte Satire hierauf: 34״. vertrautes Gespräch . . zwischen Efraim und Manasse und dem Bauren Tröpsu von einem (pseud.) ״Rabbi Uriel aus Capadocien4‘. Vom 4. Sept. datiert eine Urkunde mit ״Jonass Nathan Eybschitz“ eigener, wohl letzter, Unterschrift. Am 24. ist schon von dem vor wenigen Tagen verstorbenen ״venerablen Herrn Oberrabbiner“ die Rede. — Die Sache ging bis an den Kaiser (Urkunde im Wiener K. K. Archiv, vgl. Rahmers Literaturblatt VI S. 42).

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