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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 67

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 67 (sequence 70)
Language
German
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67 stossenden Zimmer unversehrt blieb. Vor der Einnahme der Stadt flieht Ts. nach Bosnien und wird Rabbiner in Sarajevo. Als auch hier Kriegsgefahr droht und er hört, dass bei der Erstürmung Ofens seine Eltern in preussische Gefangenschaft geraten sind, wendet er sich nach Deutschland. Er kommt nach Venedig, durch Ungarn, nach Ansbach, nach Prag, von da nach Berlin. Hier verlobt er sich mit Sara, der Tochter des Altonaer OR/s Salman Mireles, zieht dann in dessen Haus und gründet von dem Gelde einiger Freunde die Altonaer Klaus, an der er 20 Jahre lang für ein Jahresgehalt von 60 Thlrn. lehrt. Hier, wie später in Amsterdam, wird er oft von den Portugiesen, mit deren Ritus er genau ver traut war, als Autorität angerufen (vgl. seine RGA 14. 38). 1692 lässt er mit seinen Anmerkungen den ״Ture zahab“ zum ,,Choseheii mischpat“ drucken. Nach dem Tode seines Schwiegervaters, den er während seiner Krankheit jahrelang vertreten hatte, wird er von Hamburg, Wandsbek und einem Teil der Altonaer zu seinem Nachfolger gewählt. Der andere Teil Altonas, vor allem die Familien Fürst und Cohen, bestellte Isr. Fürst"s Schwiegersohn, R. Mos. Süsskind Rothenburg, zum Rabbiner. Schliesslich einigte man sich dahin, dass beide in dem Altonaer Rabbinat halbjährlich abwechseln sollten. 1709 entzweien sie sich, Ts. legt sein Amt nieder und folgt einem Rufe als Rabbiner der deutschen Gemeinde in Amsterdam. 1712 veröffentlicht er seine bekannten Responsen. Der Streit mit dem portugiesischen Rabbinat in der Nechemja Chajjon-Angelegenheit verleidet ihm Amsterdam, und er kommt nach mannigfachen Wanderungen nach Polen. Hier wird er von der Lemberger Gemeinde zum Rabbiner gewählt. Er stirbt d. 2. R. Ch. Ijar 1717 im Alter von 58 Jahren. Seine Grabschrift s. bei J. Caro, Gesch. d. Juden in Lemberg, 1894 S. 128. In Alt.-Hamb. hat Ts. durch Einführung französischer und italienischer Weine den Kascherwein verbilligt, für Sehaletofen und sorgfältiges Backen der Mazzot, die auf seine Veranlassung den Armen umsonst geliefert wurden, ferner für eine ordentliche Mikwa gesorgt und jeden Wucher bekämpft. Er hat auch dem Betrug, welcher mit den für das Heilige Land bestimmten Geldern getrieben wurde, nach Kräften gesteuert. Durch einen unredlichen Kompagnon um sein ganzes Geld gebracht, fand er in dem edlen Mose R. Libes, einem der Gründer der Alton. Gemeinde, einen Retter in der Not. Libes, selbst tüchtiger Talmudist, ein Schüler des R. Heschel in Polen, wollte Neumark pensionieren und den Ts. als Substituten anstellen lassen. Er stiess jedoch auf Gegnerschaft. Sein Bruder R. Wolf schickte dem Ts. zu billigen Preisen Edelsteine zum Verkauf. Libes selbst liess für einige Tausend Thlr. aus Frankreich und Italien Kascherwein kommen, sandte eigens Leute hin, um die Behandlung der Weine zu erlernen, und überliess den Gewinn daraus 5*

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