Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 60 (sequence 63)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2642950-2642966-2642968--1112-2644046
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 es jederzeit die Juden waren, welche die Ruhe wiederherstellten, sobald sie sich der öffentlichen Sache annahmen . . . besonders in den Jahren 1748 und 1787“. Die Juden schützen Hope vor seiner Flucht nach London. ״Diesmal wurden sie von der an Zahl weit überlegenen Menge angefallen, nur so lange gingen sie verteidigungsweise, bis Schüsse unter sie fielen, da griffen auch sie an, verschiedene Patrioten wurden getötet, die übrigen zerstreut, und der Sieg blieb den Juden, die den Hope in Sicherheit gebracht hatten. Dieser Vorfall war mir schon längst nur durchs Gerücht bekannt geworden, von dem gelehrten in der völligsten Unabhängigkeit lebenden Doktor Cappadoze, habe ich, mehrerer Gewissheit wegen, mir die Bestätigung verschafft. Mir ist ein jüdischer Kaufmann in Altona bekannt, der, wenn die Reihe an ihn kommt, jedem andern Bürger gleich, mit dem offenen Beutel von Haus zu Haus geht, um für christliche Armen zu sammeln, denen er seinen Beitrag so wenig versagt, als er ihn seinen Glaubensgenossen entzieht.“ Wie sich schon im 17. Jahrhundert auswärtige Judenfeinde (so in Lübeck, vergl. Carlebach’s Geschichte d. Juden i. Lüb. u. Moisling S. 7) auf Hamburgs Unduldsamkeit gegen die Juden berufen konnten, so muss noch Haarbleicher bedauern: ״Die gesellige Annäherung ist übrigeus um diese Zeit (1847) noch sehr zurückgeblieben“ u. s. w. u. s. w. Beruf und geistiges Leben. Ausser in den oben aufgeführten Berufsarten findet man Juden auch vielfach als Marketender beim dänischen Heere. Nach Griesheim, ״Hamburg“, II 238 hatte ein dänisches Korps 700 jüdische Lieferanten und Marketender. Sie standen nicht in dem Rufe streng religiöser Lebensführung (Jüd. Volkskunde XI S. 8). Als Makler hatten die Juden einen besonderen Transitoeid zu leisten. 1709 finden wir bereits 20 deutsche Juden in diesem Erwerbszweig thätig. Etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts besitzen wir ein genaues Verzeichnis sämtlicher 68 Berufsarten der 858 deutschjüdischen Steuerzahler — unter 720 Paaren —, darunter sind 278 Kaufleute, 28 Schulmeister, 20 Gelehrte, 3 ״Informatores“, 2 Sprachmeister, 3 Musikanten, 4 Arzte, 1 Briefträger, 1 Gewehrhändler, 1 Färber alter Hüte, 1 Thorwächter, 1 ״Stock-Jude“, 11 ״so von Mitteln leben“, aber nur einer, der Geld auf Pfänder leiht. Von den jüdischen Wechslern sagt Büsch in seiner ״Geschichte der Hamb. Handlung“ 1797, sie seien Hamb geradezu unentbehrlich und eine Hauptstütze für den Zwischenhandel*). (Vgl. Portugiesengräber 12 f.) Uber jüdische Rhedereien in Altona und Hamburg s. Portugiesengräber. 1806 (Lb Nr. 18 Vol 2b 3) 8. Sept. beschweren sich die Bewohner der Neuenburg, die Juden hausierten wieder, hielten gegen das Verbot von 1804 und frühere öffentlich Kram feil und offene Läden in allen Teilen der Stadt. Sogar aus Altona *) In Wandsbek finden wir 1811 eine Bruderschaft der Butter- und Käsehändler und eine Gesellschaft der Detailhändler.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.