Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2642950-2642966-2642968--1111-2644045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
59 ist es begreiflich, wie dergleichen Jünglinge zu Fähigkeiten gelangen, von Unterrichtgeben Profession machen zu können, aber mehr auffallend und desto rühmlicher ist es von solchen, denen es weniger leicht wurde, die nach ihrem eigenen Geständnis in der Lage waren, sich durch Kleinhandel ihren Unterhalt zu verschaffen, mit Waren aufs platte Land herumziehen mussten, und unter denselben ihren Rousseau, Voltaire und andere gehaltreiche Werke mit sich führten, um aus denselben, in den Ausruhungsstunden nach ermüdenden Wanderungen, sich Kenntnisse zu sammeln . . .“ Es folgt u. a. ein Gedicht ״Empfindungen eines alten Juden“ von Hn. von Alxinger in Wien, eine Bemerkung über die Erziehungsanstalt von L. Schlesing9r, eine Aufforderung zur Gründung jüdischer Freischuien. Hierauf heisst es weiter: ״Hier in Altona fanden sich jüdische Arbeitsleute am Elbstrom. Die von christlicher Herkunft wolltens aus Brotneid, vielleicht aus Christenstolz nicht leiden. Die Obrigkeit musste erst gebieten, diese arbeitslustigen Juden in ihrem Fleiss nicht zu hindern, und es mussten Schildwachen hingestellt werden, um den arbeitenden Juden gegen die Misshandlungen des Christenpöbels zu schützen“. Die Juden in Polen, heisst es ferner, zeichnen sich als Bierbrauer, Brand- Vfeinbrenner, Ackerbauer, Schneider aus. Sie sind ״die besten Schuhmacher, die ihre in Ruf gebrachte Arbeiten besonders aus Posen weit und breit an ihre Besteller versenden“. ״Aus eigener Beobachtung und Erfahrung“ werden die Juden in Amsterdam als Arbeiter gerühmt. ״In zahlreicher Menge treiben sie dort das Geschäft der Kryers, der Art von Arbeits-Leuten, welche die schwersten Lasten von einem Ort zum andern schleppen. Sie übertreffen an Stärke fast alle christlichen Arbeitsmänner, sowie sie die mutvollsten und geschicktesten sind, nach Landesart, mit dem Messer zu fechten, und ihrem Gegner, nach dem Ausdruck dieser Atleten, den Galgen ins Gesicht zu schneiden. Zur Winterszeit, wenn keiner sich aufs missliche Eis wagt, sind die Juden die kühnsten Fischer, dreist und geschickt, auf Eisschollen überm Wasser zu schieben und unterm Wasser zu tauchen. Ich darf und kann mit um so grösserem Fug meinen Gewährsmann nennen, dem ich die historische Gewissheit verdanke, dass die Klasse Arnsterdamer Juden, die von ihrer Arbeit leben, die besten Matrosen sind, und beim inneren Aufruhr die zuverlässigsten Ruhestifter, da dieser mein Gewährsmann nicht unbekannt, ein in Holland und England geachteter, von den berühmtesten preussischen Generalen, von dem Herzog von Weimar, dem General Kalkreuth und andern, die in seinem Hause eine gastfreie Aufnahme fanden, sehr geschätzter Mann ist, der alle Eigenschaften hat, die man fordern kann, um Glaubwürdigkeit zu verdienen — ein Mann, der in jeder Hinsicht zu gross ist, um seine Abkommenschaft von den portugiesischen Juden zu verleugnen, der des Christennamens nicht bedarf, um, wo er hinkommen mag, auf Achtung Anspruch zu machen, der unglücklicher Weise gerade zu der Zeit in Hamburg sich etabliert hatte, als unter obrigkeitlicher Zensur in öffentlichen Blättern, die im ganzen Europa gelesen werden, einer Nation Hohn gesprochen ward, zu welcher auch er sich frei zu bekennen kein Bedenken trägt. (In Leipzig hat jemand mehrerer Publizität wegen, Annoncen der Heussisehen js. oben] Freunde in den landesherrlich privilegierten Zeitungen wollen einrücken lassen. Der Zensor liess es nicht passieren aus dem angegebenen Grunde, weil es zu beleidigend für eine Nation wäre, die zur Leipziger Messe und zum Nutzen des Landes so wesentlich beitrüge!!!) Es ist Capadoze, von dem ich rede. Die Admirale Schryver, Hartsink, Kingsbergen und Renst haben es selbst öffentlich bezeugt, dass die Juden, deren auf jedem Schiff fünf bis sechs sich befunden hätten, die besten Matrosen (matelots de confiance) gewesen wären. Als Thatsache entscheidet für ihre Tapferkeit, dass in Volksaufläufen